Dienstag, 24. Mai 2016

Fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck. Nochmal, für die Vollidioten, die es einfach nicht kapieren: fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck. Heute ist Dienstag. Sonst ist nichts passiert.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Meine Frau hat mich verlassen, aber dafür hat ihre Arbeitskollegin einen Stalker

Ich warte auf eine wichtige Mail. Ich weiß nicht, auf welche, oder von wem, nur dass sie sehr wichtig ist. Seit einer Woche habe ich das Haus nicht verlassen, das Wlan habe ich dreimal überprüft, daran liegt es nicht.
Die Mail ist wichtig, denn sie muss mich retten. Früher dachte ich, Menschen könnten mich retten, aber dann hat meine Frau mich verlassen, um sich selbst zu finden.
Ich sagte: "Aber hier bist du doch", und sie schüttelte den Kopf und sagte, ich verstünde mal wieder überhaupt nichts. Das war eh eine Zeit, in der sie sehr oft "mal wieder" sagte, und  manchmal auch was anderes,  "eh nicht" zum Beispiel oder "nie", und als letztes: "Ich muss mich selbst finden".
Sie glaubte im Gegensatz zu mir nicht, dass sie ganz und gar hier sei, sondern vermutete sich eher in einem 4-Sterne-Ayurveda Resort in Indien.
Das stimmte damals nicht, aber zwei Wochen später stimmte es doch, und hoffentlich hat sie sich gefunden, denn ich habe sie verloren und kann nicht mehr bei der Suche helfen.
Als ich ihr in einer Email schrieb, dass mir das leid tue, schrieb sie zurück: "Hello Peeps, dies ist eine Abwesenheitsnotiz, ich bin gerade im Sabbatical, ihr könnt mir auf meinem Instagram-Account @YogaLoverInIndia folgen! In wichtigen Fällen melden Sie sich doch bitte bei meiner Kollegin Katrin Graf".
Und obwohl die Eifersucht mir den Atem nahm, und ich mir vorstellte, wie ich diesen YogaLover in Indien zerlegen würde, wenn ich nur etwas entschiedener wäre, meldete ich mich bei Katrin Graf. Denn ein wichtiger Fall ist es doch in jedem Fall, wenn die Frau verloren geht.

 Katrin Graf hatte allerdings von meiner Frau den Auftrag bekommen, mich abzuwimmeln, und den müsse sie jetzt erst mal erfüllen, bevor sie mir weiterhelfen könne. Katrin Graf ist sehr gewissenhaft, immer wieder schrieb ich ihr und fragte nach meiner Frau, und immer wieder sagte sie gar nichts, so einen Job wünscht sich natürlich jeder.
Nachdem ich es ein paar Wochen lang immer wieder versuchte, schrieb Katrin Graf irgendwann auf Twitter, dass sie einen Stalker habe, #creepy. Ich freute mich für sie, denn ich wiederum hatte immer noch gar nichts, keine Spur, keine Frau, nicht mal einen Stalker.
Seitdem warte ich auf die wichtige Mail, und ich glaube sehr daran, dass sie bald kommt, weil das Nicht-Glauben doch noch nie geholfen hat, mir zumindest nicht.

Ich suche meine Frau. Falls ihr diese hier seht, die ist es nicht. 

(Foto: Carolin Saage, aber die ist es auch nicht)

Sonntag, 8. Mai 2016

Ein Tag mit den Obamas

Es ist ziemlich sicher, dass Barack Obama manchmal nachts nicht schlafen kann, weil ihm endlich ein guter Konter für ein Gespräch einfällt, dass er in der achten Klasse geführt hat. Es ging damals um seine Wurftechnik, der Coach hatte ihn irgendwie angefahren, egal, jetzt auf jeden Fall fällt ihm die perfekte Retourkutsche ein, und er wälzt sich unruhig hin und her.
Michelle ist genervt, murmelt so etwas wie "Get some sleep, Mister President", das ironische "Mister President" kann sie sich einfach nicht abgewöhnen, es ist ein Insider, das erste Mal nannte sie ihn so, als die beiden sich am College kennengelernt hatten, bis an die Spitze, zusammen, das war schon damals für beide klar.
Barack murmelt dann irgendwas von einer schwierigen Nahostentscheidung, und denkt wieder, das wäre es gewesen, der Scheißcoach hätte nie wieder gewagt, ihn so blöd an zu labern, und dann ist das Arschloch auch noch gestorben, bevor er Präsident wurde, Schlaganfall mit Mitte 40, das ärgert Barack immer noch, wer stirbt bitte mit 40 an einem Schlafanfall. Er wird immer wacher, er steigert sich richtig rein. Scheiße, schon halb vier.
Irgendwann ist es dann Morgen, und Barack könnte schwören er habe kein Auge zugetan, aber Michelle sagt, Unsinn, er habe die ganze Nacht friedlich geschnarcht, während Sie sich Sorgen gemacht hat wegen des schlechten Essens in den Schulkantinen, aber ihre Sorgen interessieren ihn wieder gar nicht.
Beim Frühstück starrt man sich also ein bisschen finster an. Dann wieder Termindruck usw. Am Abend kurzer Whatsapp-Austausch. Michelle so: "Baby, du solltest weniger arbeiten", und Barack schreibt zurück: "Seit wann texten wir auf deutsch?" Genervt organisiert Michelle einen Wohltätigkeitsball.
Am Abend essen die beiden mit einem Comedystar. Der Comedian soll die beiden in einem Sketch volksnäher machen, deswegen erzählt Barack, dass er in Studienzeiten "auch gern mal an einem Joint gezogen habe" und überhaupt auch gerne Netflix schaue, wie so ein ganz normaler Mensch.
Der Comedian lacht hysterisch, "haha, normaler Mensch, das ist gut, das ist witzig!" und Obama lacht zurück, Michelle fühlt sich ausgeschlossen. Sie nimmt die Hummergabel und ersticht den Comedian. So richtig klappt es nicht, die Gabel ist zu stumpf, nie klappt was, der Comedian zuckt und zuckt und verreckt einfach nicht.
"Lass doch, Sweetheart", sagt Barack und streicht ihr sanft über die Wange, "das übernimmt Phil für uns, wozu sind wir denn ganz oben und an der Spitze". Aus einer Ecke kommt Phil, nickt demütig, er soll hier keine weitere Rolle spielen, nur so viel, der Comedian sollte nie wieder jemanden volksnah machen.
Die Obamas jedenfalls gehen müde ins Bett. Nicht diese wohlverdiente Müdigkeit, die man sich so vorstellt für Präsidentenpaare, sondern eine pure Müdigkeit, von allem, und voneinander auch ein bisschen, auch wenn sie das nie zugeben würden. Sie sind doch ein Powerpaar.  Barack retweetet noch einen Post von Jan Böhmermann. Das macht ihn volksnah. Vielleicht nicht hier in Amerika. Aber vielleicht anderswo. An einem anderen Ort. Das ist alles möglich. Was wissen wir schon von den Obamas.

Sonntag, 20. März 2016

Ich bin sehr selten

Ich habe eine Podiumsdiskussion zum Thema "Artenschutz" organisiert. Schön Flyer gestaltet und alles. Ich habe auch ein Orga-Team. Die beiden Mädchen sagten gleich zu Anfang, sie wollten so genannt werden, und ohne Orga-Team nehme einen heutzutage kein Mensch mehr ernst.

Das Orga-Team sagt, sie stünden "echt voll hinter mir", aber manchmal behaupte ich, schnell eine rauchen zu gehen und belausche die beiden. Dann höre ich, wie sie über mich lachen und einander zuflüstern, Artenschutz sei Ihnen eigentlich total egal, aber mache sich eben gut im Lebenslauf, und überhaupt solle ich mal was gegen meine Augenringe machen. Sowas höre ich dann. Rauchen tu ich natürlich schon lange nicht mehr, aber nicht wegen der Augenringe. Viel mehr habe ich Angst, beim Zertreten der Kippe aus Versehen auf eine seltene Tierart zu treten.

Mein Mann hat mich verlassen, für eine Frau, der Artenschutz nicht so wichtig ist. An Sonntagabenden sitzen sie miteinander auf der Couch, trinken Rotwein, und unterhalten sich nicht über den iberischen Luchs. Solche Dinge machen den beiden Spaß.
Ich beobachte die beiden nachts mit einem Fernglas, aber wenn mein Mann mich erwischen sollte, werde ich behaupten, nach Schleiereulen Ausschau zu halten, und ein bisschen stimmt das ja auch. Bisher hat mein Mann mich nicht erwischt. Seine neue Frau hat blitzende Augen, von denen wendet er den Blick nur selten ab, um mich bei etwas zu erwischen.
Familie habe ich keine, das liegt aber auch an mir, denn ich habe alle meine Angehörigen erstochen. Jetzt bin ich selbst die letzte meiner Art. Ich bin jetzt sehr selten. Bei der Podiumsdiskussion werde ich ein bisschen davon erzählen, wie das so ist, als direkt Betroffene. Vielleicht kommt ihr ja. Es gibt Schnittchen, für den kleinen Hunger.

Keiner bedrohten Spezies anzugehören, macht auch nicht glücklich. 


Sonntag, 14. Februar 2016

Tagebuch 2

Meine Tagebuch-Einträge erscheinen sehr unregelmäßig. An guten Tagen schreibe ich nicht, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, skeptisch zu sein. Im Gegensatz zum Glück ist das Unglück ja verlässlich und tritt brav ein, wenn man sich lang genug darauf konzentriert. Auch die sehr unglücklichen Tage notiere ich nicht,  denn an sehr unglücklichen Tagen liege ich lieber im Bett und überprüfe, ob ich gerade einen Tinnitus habe. Wenn ich keinen habe, bilde ich mir das nervtötende Piepen einfach ein. Das klappt ganz prima.

 Heute ist Sonntag, das war letzte Woche auch schon so, und in meinen Kopf klang dieser Satz deutlich poetischer als er sich liest.
In knapp zwei Wochen erscheint mein Buch. Ich habe sehr große Angst davor und fühle mich furchtbar. Dann lese ich wieder einen Artikel über die Flüchtlingswelle und fühle mich furchtbar, weil ich mich furchtbar fühle, obwohl keine durchgeknallten Bürger meine Bleibe anzünden. Meine Ur-Oma hat immer gesagt "Denk an die Negerlein", aber das sagt sie jetzt nicht mehr, denn es ist grob rassistisch und hilft einem kein bisschen. Außerdem ist sie längst verstorben.

Die Geflüchteten tun mir Leid. Deutschland ist irritierend. Kaum kommen sie hier an, heißt es: Entweder du kochst in einer ARD-Alpha-Show ein traditionelles Gericht aus deiner Heimat oder wir fackeln dein Haus ab. Flüchtlinge werden entweder auf Refugee-Welcome-Partys in gammeligen Berliner Clubs geschleppt, oder allesamt als Frauenhasser beschimpft. Für Syrer muss Deutschland eine einzige Freakshow sein.

Die letzte Woche war schön, denn Freunde haben mich besucht. Freunde, das sind die, die Fotos von einem auf dem Handy haben, für die man schnell seinen Job verlieren würde. Freunde haben zottelige Haare, bleiben viel länger als angekündigt, fressen einem den Kühlschrank leer, und wenn sie wieder weg sind, ist man traurig. Ich habe nur drei davon, viel mehr kann ich mir nicht leisten, denn Freunde nehmen Zeit in Anspruch, und Zeit ist Geld, und von Geld kann man sich im Gegensatz zu Freunden herrliche Dinge kaufen.
Für euch war das mein Wochenrückblick, für mich war es eine Schreibübung, scrollt weiter, das war es schon, hier gibt es nichts zu sehen.

Das schöne an Sex: wenn man ihn nicht hat, kann man das Wort immer noch groß auf eine Parkbank schreiben oder als Klickgarant nutzen.