Freitag, 28. März 2014

Was kost die Welt

Beleidigte Musiker im Chor: Die zahlen nicht für meine Musik, die mögen mich nicht. Und dann schreiben die die Sven Regeners und Farin Urlaubs aus Rache Lieder, bei denen ich sage, wow und spotify sagt, geht nicht, gibts nicht, auf jeden Fall nicht umsonst, beweg deinen Arsch doch in den gammeligen Plattenladen, in dem seit zwanzig Jahren The Clash läuft.
Dabei ist das ja großer Blödsinn. Ich finde viele Musiker großartig, habe aber trotzdem weder Geld noch Lust, ihre Lieder zu kaufen. Dass diese Leute von ihrer Kunst leben wollen, ist verständlich, vielleicht sogar verdient. In Deutschland scheint das kaum mehr möglich. Sven Regener etwa muss nebenher Bestseller verfassen, um weiter Musik zu machen, Bushido kann nicht allein vom Dissen leben und muss in seiner Freizeit mit Immobilien handeln. Ohne Nebenjob können sich deutsche Musiker nicht über Wasser halten, als Studentin kenne ich das.
Kein Musikvideo habe ich auf Youtube öfter gesehen als "Leider hat die Gema die erforderlichen Rechte nicht eingeräumt". Purer Hass auf Knopfdruck. Mich interessiert nicht, wie es finanziell um meine Lieblingsmusiker steht. Bisher habe ich keinen von ihnen hinter einer McDonalds Theke gesehen, und es bleibt anscheinend bei all dem Jammern in deutschen Talkshowformaten noch genug Zeit für sozialkritische Texte.
Dass ich mir eure Lieder auf zweifelhaften, indischen Servern runter lade heißt trotzdem nicht, dass ich meine Wertschätzung nicht gegebenenfalls auch materiell ausdrücken würde. Wäre zum Beispiel Peter Doherty in der Stadt, würde ich selbstverständlich die Taxifahrt in meine Wohnung übernehmen.

Sonntag, 23. März 2014

Schmusekatze

Heute war ein besonderer Sonntag. Heute war verkaufsoffener Sonntag. Ich bin also in die Stadt gegangen, und wollte Dinge kaufen. Ich bin in den DM gegangen, weil die so ein wunderbares Raumkonzept haben, das mich zum Kaufen anregt. Vor den Shampoos steht eine Mutter mit ihrer Tochter, die Tochter kaut Kaugummi und trägt Turnschuhe, die aber Airmax heißen und eine Mütze, die aber Beanie heißt. Das erklärt die Tochter ihrer Mutter und dann sagt sie, dass sie Got2Be Schmusekatze braucht. Die Mutter widerspricht vehement, sie habe schon Strandnixe und Schutzengel, wozu sie da noch Schmusekatze brauche.
Sehr nachvollziehbar, denke ich. Die Tochter denkt das nicht und kreischt: "Weil Schmusekatze die Haare WEICH macht und Strandnixe LOCKIG! Du verstehst gar nichts! Ich brauch das nicht für meine Haare, sondern für meinen Channel, da geht es um meine berufliche Zukunft, aber das ist dir wieder SCHEISSEGAL!"
Ich interessiere mich sehr dafür, wie man mit Shampoo kaufen Geld verdienen kann und schlage unauffällig einen Haken über die Naturkosmetik um die beiden besser zu verstehen. Die Mutter, sehr genervt, stellt Schmusekatze zurück in das Regal und herrscht ihre Tochter an: "Wieso brauchst du denn dafür Haarspree?" Die Tochter heult: "HAUL! Ich wollte einen Haul machen!"
Die Mutter guckt fragend, ich gucke fragend zurück, würde ihr wirklich gerne erklären, dass ich ihr da auch nicht weiter helfen kann und nicht weiß, warum man für den Haul auf seinem Channel Schmusekatze benötigt und die meisten dieser Worte auch mir fremd sind. Die Mutter guckt ganz zornig und unglücklich, ich will sagen: Gute Frau, ich habe niemals einen Haul gemacht, und mir ist es nicht schlecht bekommen, gucken sie, mein Studentenausweis, es geht auch ohne Schmusekatze!
Aber ich muss weiter, denn heute ist verkaufsoffener Sonntag.

(Zur weiterführenden Lektüre schlage ich dem geschätzten Leser meines Blogs vor, auf youtube einmal "DM Haul" einzugeben. Da präsentieren junge, hübsche Mädchen ihre Einkäufe und man muss ehrlicherweise sagen, der Kapitalismus hatte schon hässlichere Fratzen. Dieses hier ist 11 und weiß sein Taschengeld clever zu investieren: https://www.youtube.com/watch?v=6pGLFyqVEtA )

Hier trage ich eine Mütze, dachte ich damals. (für Moshiki)

Dienstag, 11. Februar 2014

UNGLÜCKLICH VERLIEBTE

ichwillnixhörenichwillnixhörenichwillnixhören
Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, niemals über die Liebe zu schreiben.
Über Beziehungen schon, aber die haben ja meistens mit Liebe nix zu tun. Nun ist es aber soweit. In meinem Freundeskreis greift die Liebe um sich, verschluckt alle, mit Geifer im Maul verwandelt sie meine Bekannten in dumpf dreinblickende, vor sich hin seufzende Amöben. Walking Dead in Hildesheim.
Unglücklich Verliebte sind widerwärtig. Plötzlich zitieren meine Literatenfreunde nicht mehr Kerouac sondern Keinohrhasen. Es ist peinlich und erschreckend.
Gespräche wie dieses sind exemplarisch:
Ich: Lass heut Abend feiern gehen
Z: Ach...
Ich: Um Acht?
Z: Ach...
Ich: Was ACH?!
Z: Ach...
Sie duschen sich nicht mehr, starren grenzdebil auf ihr Handy und bekommen Herzinfarkte wenn nach Stunden des Wartens mal eine SMS kommt. In der dann meistens steht "Kann heut nicht". Und dann geht der Jammer von vorne los. Was ich dir sagen will:
Deine Selbstachtung liegt auf dem Müll (Z. ergänzt traurig: "Müll, Sondermüll...") Dein Unglück steht dir nicht, dein Gewinsel klingt nicht liebenswert, verheulte Gesichter sind unattraktiv. Was du mir erzählst, habe ich mit 11 in der Bravo Fotostory gelesen und schon da klang es scheiße. Es ist wirklich nicht verwunderlich, dass unglücklich Verliebte nicht zurück geliebt werden.
Noch schlimmer sind nur noch glücklich Verliebte, vor allem deswegen, weil es dann gleich zwei sind, die sich immens daneben benehmen.

Sonntag, 9. Februar 2014

SEMESTERFERIEN

das ist gouda in meiner hand. ich pose mit gouda. 

Semesterferien haben angefangen und mir war nie langweiliger. Meine Freunde sind entweder unglücklich verliebt oder in Berlin oder in der Klapse, ich bewohne eine riesige Wohnung alleine.


So viel Zeit, Dinge zu tun, die man ein halbes Jahr nicht geschafft hat. Fußnägel schneiden zum Beispiel. Kurze Überlegung, ob man den vom großen Zeh zum Zahnstocher recyclen könnte. Dann heftige Erkenntnis, dass diese vorlesungsfreie Zeit noch Monate geht und Angst, irgendwann auf die Idee zu kommen, körperliche Abfallprodukte zu einem leckeren und ethisch vertretbaren Eintopf zu verkochen. 
Überlege, als Gegenmaßnahme Nacktbilder von mir auf Facebook zu posten, damit wenigstens online was passiert. Trau mich aber nicht und stalke stattdessen meine Verflossenen auf Facebook. 
Abends betrink ich mich alleine, kultiviert mit Weinglas. Stelle auf einmal fest, wie verrückt es ist, dass so ein dünnes Glasstäbchen den ganzen Wein hält. Also aus der Flasche trinken, das ist nicht so unheimlich.
Bin doch jetzt Schreiberin, also betrunken notieren. Weisheiten wie "Es fehlen immer die Knöpfe, nie die Löcher" stehen am nächsten Morgen in meinem Notizbuch und ich schäme mich. Allein sein, Zeit Neues auszuprobieren.


Bisherige Selbstversuche: 
- Wie lang kann man die Luft anhalten, und kann man davon wirklich umkippen? (Kann man, sagt google, ich hab aber nicht genug Willenskraft.) 
- wie lange kann man sich ungeduscht ertragen (läuft)
 - wie lange überlebt man in seiner Wohnung, ohne zu verhungern oder seltsame Selbstversuche durchzuführen (möchte nicht drüber reden).
Die Lage ist ernst, überlege mittlerweile sogar, das Bad zu putzen.


Sonntag, 2. Februar 2014

Neues Jahr, an die Bar, kurzes Haar

Geburtstag

Der wahrscheinlich angemessenste Weg, ein neues Lebensjahr zu beginnen: Aufwachen, keine Erinnerung mehr im und keine Haare mehr auf dem Kopf und links und rechts in meinem Bett zwei verschlafene Männer. Also gesetzt den Fall man wird 22, wenn das ganze mit 80 passiert spricht eine solche Situation eher für Demenz, Haarausfall und seltsames Pflegepersonal.
Ich bin ein Jahr älter geworden, ich bin in keiner Beziehung mehr, Aschenbecher neben dem Bett quillen über und der Morgen beginnt mit Orientierungslosigkeit. Wenn ich schon älter werde, mache ich wenigstens entwicklungstechnisch starke Rückschritte, und darum gehts ja: geistig jung bleiben.
Die Haare, die mir zwei Freunde betrunken abgeschnitten haben, liegen in Locken im Bett und auf dem Boden, ich halte die Strähnen probeweise an mein Haar, aber es passt nicht mehr, alles ist gut so wie es ist, ein neues Jahr, kurzes Haar, ich freu mich drauf.
Mit einer Flasche Korn in der Hand schleppen mich L und F mittags zu einem Friseur, um das ganze begradigen zu lassen, Happy Birthday, ich bin wahnsinnig gerührt darüber, dass die Friseurin einem ungewaschenen, zerzausten Bündel ihre Aufmerksamkeit schenkt, gerührt überhaupt, das alle da waren, auf dem Heimweg gehe ich ganz aufrecht, damit das Glück nicht überschwappt.























Sonntag, 19. Januar 2014

KENN KEIN LIMIT!

Bild und Kippe: Nur mit Filter. Sind wir Feiglinge?
Und, wie verweichlicht bist du?
Ich komme aus einer Familie, in der beim Abendessen das Konzept der Monogamie diskutiert wird und bin mit einer Mutter aufgewachsen, die immer mehr Angst hatte, dass sich ihr Kind nicht frei entfalten könnte, als es beim Kiffen zu erwischen.
Das ist insofern problematisch, als dass wir wohl die erste Generation sind, die ihre Eltern nicht mehr schocken können.
"Langweilig! Brav! Konform!" und "Verweichlicht!" schimpft mich das Feuilleton der Zeit. Meine Mutter schüttelt ungläubig den Kopf darüber, dass ich Filter in meine Selbstgedrehte einbaue.
Unsere Vernunft langweilt, sagen meine Dozenten. Seid mal wild, fordern verzweifelte Journalisten, worüber sollen wir denn da noch schreiben?
 Seit 2010 hat sich die Zahl der jugendlichen Raucher halbiert. Nichtrauchen ist normal. Vernünftige Ernährung ist normal. Regelstudienzeit ist normal. Fleiß ist normal. Und das besondere daran? Wir regen uns darüber überhaupt nicht darüber auf, und auch das ist mittlerweile -  normal.
Wir äußern uns nicht in Systemkritik, sondern in Shitstorms, verstecken uns hinter Bildschirmen, führen mit 20 langfristige Beziehungen und kuscheln uns in die Gewissheit, im Notfall Akademikereltern zu haben, auf die man sich verlassen kann, heißt es. Wir kennen zwar jedes Katzenvideo, aber keinen echten Kater mehr.
Wir enttäuschen eine Elterngeneration, die für Ideale gekämpft hat - auf der Straße, nicht per Online Petition.
Aber wäre nicht alles andere verlogen? Wieso gegen ein System rebellieren, das uns Bafög bietet, selbst wenn ich zum dritten Mal das Studium abbreche? Und stimmt es wirklich, dass eine Generation, die sich nicht beschwert, auch gleichzeitig nichts zu sagen hat? Ist nicht unsere Konformität die ehrlichste und einzige Form von Protest, die uns noch geblieben ist?



Freitag, 6. Dezember 2013

Sturm, Selbstmord, Orangensaft

Dinge, die mir auf der Zugfahrt einfielen


 
sommer 2013
 - Wahrscheinlich wollen Selbstmörder nicht umgebracht werden
- Jemand, der im Unterricht immer kritzelt, ist jemand mit zu großem Mitteilungsbedürfnis. Ich bin eine, die immer kritzelt. Ich kann zeichnen, weil ich nicht die Klappe halten kann
- Ob man gut argumentieren kann, merkt man nicht im Debattierclub, sondern beim Feilschen mit  Bahn- Schaffnern
- Das Gefrierfach ist der innige Wunsch der Menschheit, die Zeit anzuhalten
- Jeder Mensch muss sich verschwenden.
- Gutes Wlansignal ist mittlerweile so wichtig wie die Luft zum Atmen
- Das Tief Xaver ist wahrscheinlich aus Wut über diese        Namensgebung erst zum Orkan geworden
- Amazon Mail: "Sie interessieren sich für deutsche  Gegenwartsliteratur. Dürfen wir ihnen folgende Bücher  vorstellen?" Vor zwei Monaten wurde mir noch Lidschatten  vorgeschlagen. .
- Ich habe keine Lust, mir von meinem Orangensaft sagen zu lassen, dass ich ihn schütteln soll. Wir beide haben ein Machtproblem
- Das Lieblingswort moderner Lyriker: Schlieren
- Das Studium verändert meinen Schreibstil - gut oder schlecht weiß ich noch nicht.
- weiß ich doch: Veränderung ist gut.
- Zugfahren ist schön, wenn man seine Klaustrophobie überwunden hat
- Ängste überwindet man nur durch Konfrontation

Sonntag, 1. Dezember 2013

VIEL RAUCH FÜR WENIG ASCHE


(selbstverständlich mit dekadenter kompakten)
Es gibt Dinge, die werden aus der Not heraus kultiviert. So der Drehtabak bei Studenten, hier in Hildesheim selbstverständlich genauso politisch korrekt wie die Studierenden: Pueblo, ohne Zusatzstoffe.
Ein Tabak, der Statement geworden ist, ohne aufdringlich zu sein, genauso profillos wie sein Konsument, denn Pueblo zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er nicht stört.

Niemand kauft Tabak ohne Zusatzstoffe, weil das besonders gut schmeckt, sondern wegen dem guten Gefühl: Seht her, ich bin ökologisch korrekt, trendbewusst, ich hab viel Moral und wenig Kohle. Du kannst mir vertrauen, ich bin einer von den Guten, ich zerstöre nur mich, nicht den Planeten. Wir beweihräuchern uns selbst mit dem Rauch von ökologisch korrektem Tabak.
Doch Pueblo ist nicht nur Aushängeschild des hippen Gutmenschen, sondern auch Hoffnungsträger des Kulturcampus Hildesheim. Denn Pueblo hat es aus der muffigen Ökoecke der Bioläden in die Taschen von beinahe jedem trendbewussten Kippendreher geschafft, von München bis Hamburg, von Underdog zu Statement, von Zero to Hero.
Und weil wir Kunststudenten uns in unseren Profilneurosen doch alle ein bisschen wie Zeros fühlen, gibt uns Pueblo die Hoffnung zurück, ein Stück amerikanischer Traum für die Hosentasche. Wir sind wie unser Tabak und wir wollen es genauso schaffen, wie ein Phönix aus der Asche der Selbstgedrehten zu steigen.

Montag, 18. November 2013

STRAIGHT OUTTA KINDERZIMMER!

Über das wilde Studentenleben

Das Leben nimmt mich mit im Moment, ich freu mich drüber, sonst lässts mich eher liegen.
Ich studiere zum ersten Mal in meinem Leben etwas länger als drei Wochen und habe bisher höchstens vier Mal pro Seminar einen spontanen Fluchtreflex. Kreatives Schreiben heißt der Spaß Ein "Elitestudiengang für Jungautoren mit besonderen Fähigkeiten", zum Beispiel sich selbst zu feiern, ohne jemals zu kotzen.
Eure Kommentare haben mich dazu gebracht, irgendwann von der Scheißschreiberei leben zu wollen. Ich danke euch, wenn ich meinen Hartz 4 Antrag durch habe.
Liebst
R

Stillleben mit Tabasco, grünem Tee und Chaos (kind)


Montag, 4. November 2013

Wenn man Tracy Chapman hört, denkt man das ist ein Mann. Und wenn man sieh dann sieht, denkt man, das ist ja WIRKLICH ein Mann.

Freitag, 6. September 2013

IST ROT DAS NEUE SCHWARZ?

Gucke entschlossen, hab aber keinen Plan: Superwahljahr 2013

Seit ich klein bin, freue ich mich auf die Wahl. Mein erstes Kreuzchen zu setzen gehört zum Erwachsen-Werden für mich genau so dazu, wie der erste Vollrausch. (Wobei man sich bei beidem oft im Nachhinein fragt, was man sich eigentlich dabei gedacht hat).

Ich scheine damit relativ alleine auf weiter Blogger -Flur zu sein. Dabei fällt es den meisten Bloggern leicht, sich zwischen gelb und grün zu enscheiden - so lange es um Nagellack geht.
Nach dem Wahlduell wusste zwar jeder, woher man die Schlandkette bekommt, für das lebende Narkotikum, das diese trug, hat sich aber keiner so wirklich interessiert.

Dabei ist wählen furchtbar wichtig, sonst knacken kleinere, ominöse Splitterparteien die 5 % Hürde. Die FDP zum Beispiel. Da muss man aufpassen. Damit so etwas nicht passiert, müssen wir wählen gehen.
Damit selbst politisch mäßig interessierte Menschen wie ich wissen, wo man am besten sein Kreuzchen setzt, gibt es den Wahlomat. Funktioniert so ähnlich wie ein Psychotest in der Cosmopolitan, am Ende weiß man welche Farbe einem steht,  warum man auf gar keinen Fall schwarz sehen sollte und ob manr reif für einen Neustart ist.
Noch bin ich unentschlossen. Der Wahlomat riet mir entschieden dazu, mein Kreuz bei den Violetten zu setzen. Ob ich spirituell genug dazu bin, werde ich jetzt das magische Homöopathiependel fragen.

Noch haben wir ein bisschen Zeit uns zu informieren. Zum Beispiel, um rauszufinden, warum die NSA sich zwar sehr für jeden von uns interessiert, man sie aber trotzdem nicht wählen kann.

Mein Gott. War das ein politisch korrekter Blogeintrag.
Geht wählen!
K bye

Montag, 5. August 2013

LASST! EUCH! GEHEN!

Vögelt wild. Esst ungesund. Trinkt ein Glas zuviel. Eine Liebeserklärung an das Tier im Mensch.

Wir leben in Zeiten der Selbstoptimierung. In Zeiten, in denen Selbstkasteiung Lifestyle geworden ist. Die Welt wird schneller, wir versuchen die Entschleunigung.
Grenzdebil sitzen wir auf Yogamatten und summen ein schwachsinniges Ommm vor uns her, krampfhaft versucht entspannt zu sein, die Augen fest verschlossen vor der rasanten Realität.
Wir dümpeln in seichten Gewässern und umschiffen in unserem biologisch abbaubaren Bambusboot die Gefahren und Risiken des Lebens. Schließlich wissen wir genau wies geht: Vegan leben (für die Umwelt), früh schlafen gehen (für die Gesundheit) und keine Regeln ankratzen (für die Karriere).
Früher die Hexenverbrennung, heute die Fettverbrennung: Mephisto hat sich verkleidet und heißt heute Gluten. Alte Sprüche wie "Dein Körper ist dein Tempel" feiern ihr Comeback. Verbaler Vintage quasi.

Ich sehe das so: Wir haben nur einen Körper, also sollte der bitteschön mir treue Dienste erweisen und nicht ich ihm. "Der Reiher" ist für mich kein Asana, sondern die Konsequenz einer durchzechten Party.
Ins Grab möchte ich fallen, wie nach einer durchfeierten Nacht: Glücklich, müde und völlig fertig mit der Welt. Mit dem Gefühl, mit vom Leben wundgetanzten Füßen endlich zuhause angekommen zu sein und zufrieden in die Dunkelheit zu fallen. Nur ohne Kater am nächsten Tag.

Wer immer vorsichtig war, weiß nie, wie geil es sich anfühlt wenn der Schwangerschaftstest doch negativ war. Wie gut ein Konterbier tut.
Unablässig versuchen wir, der Gesellschaft zu gefallen, nur um uns selbst ein bisschen mehr zu mögen. Wir versuchen uns lieb zu haben, indem wir Müll trennen, in Maßen trinken, auf Steak verzichten.
Dass wir am Ende doch nur Tiere sind, wird unter dem Deckmäntelchen von Energiesparlampen versteckt. Dass wir Menschen Menschen bleiben, kann die schönste Moral nicht ändern.
Drum suhlt euch im Hedonismus und lebt, was das Zeug hält. Verfallt nicht in Fatalismus, sondern feiert das verkorkste Menschsein. Mit Kater. Mit Prellungen. Und ohne Idealgewicht.
Das Leben sollte sein wie ein Tag am Sandstrand. Um an Ende hinterlassen auch dort nur diejenigen Spuren, die eben nicht 100% sauber gelebt haben.

Nachtrag:

Dieser Eintrag hat ebenfalls Spuren hinterlassen. Es gab einen AUFSCHREI, unter anderem auf dieser Seite
http://unserkaffeeklatsch.blogspot.de/2013/08/lasst-euch-nicht-gehen.html?showComment=1376221315583#c7039144109309800118

Dort heißt es unter Anderem
"Für mich ist der Artikel nichts weiter als ein Aufruf zur Selbststörung, da man Drogen bedenkenlos konsumieren und handeln ohne nachzudenken soll. Das Ich und die tierischen Triebe sollen im Vordergrund stehen und uns glücklich machen."

Anscheinend habe ich Leute aus ihrer Meditations-Schockstarre geholt. Gerne wieder, kein Problem. Ich geh mir dann mal den goldenen Schuss setzen. Gleich nachdem ich mein Studium in Regelstudienzeit beendet habe.

München 2013

Sonntag, 28. Juli 2013

IM BAUMARKT oder ZURÜCK ZUR NATUR

"Da drüben ist einer, du von links, ich von rechts, leise, sonst verscheuchst du ihn. Sie sind sehr scheu" 
Mein Freund und ich jagen keine Fasane, sondern stehen im Baumarkt. Seit zwanzig Minuten suchen wir mittlerweile einen Obiverkäufer, nun ist er in Sicht. Ab jetzt sind wir auf der Pirsch.
Das erste Objekt unserer Begierde wurde uns von einem Österreicher geklaut, der sich erkundigte, wie man einen Keller ans Haus anbaut und unseren Obi-Mann danach in die Eisentür-Abteilung schleppte. Eine herbe Niederlage.
Nun gehen wir taktischer vor, und tatsächlich: Wir preschen vor, der Baumarktboy ist unser. Wir geben ihn nicht mehr her, bis wir von Duschvorhang bis Gartenkresse alles haben. Einmal erledigt, ist das Baumarkt-Wild eigentlich ganz handzahm. Wir haben ein besonders braves Exemplar erwischt, dass sich erfreulicherweise auch nicht von potentiellen Gartenhäuschen-Käufern abwerben lässt.
Ich bin von soviel Treue gerührt. Vielleicht sollte ich ihm einen Namen geben. Ein ganz und gar großartiger Fang, nur artikuliert er sich, wie die meisten seiner Artgenossen, völlig unverständlich.
"Dabrachnsanandanaufsatznachad" nuschelt er, mein Freund nickt bestätigend. Ich frage mich, ob er Baumarkt als dritte Fremdsprache im Waldorfkindergarten erlernt hat.

Baumärkte sind für mich seit jeher die Hölle. Mit zwei Eltern gesegnet, dessen Samstagsausflüge sich im Prinzip auf Hagebau-Besuche beschränkten und die leuchtende Augen zwischen Pressspan und Buche furniert bekommen, bin ich vorbelastet. Ich hasse Obi, Hagebau und Hornbach, aber ich scheine damit ziemlich allein zu sein.
Baumärkte sind wahnsinnig beliebt, wahrscheinlich, weil sie uns zurück zu unseren Wurzeln bringen.
Wir streifen durch unbekanntes Terrain, lauern scheuem Obi-Personal auf und suchen nach Bohraufsatz, Yucca Palme und Klarlack, die wir dann stolz ins Eigenheim schleppen.
Auf der stundenlangen Pirsch durch meterhohe Gänge lernen wir wieder, was wir wirklich sind: Jäger und Sammler.
Ich bin beruhigt: Meine Abneigung gegen Baumärkte ist ergo nur ein verkappter Evolutionsvorsprung.

Ich, in Mississippi