Sonntag, 20. März 2016

Ich bin sehr selten

Ich habe eine Podiumsdiskussion zum Thema "Artenschutz" organisiert. Schön Flyer gestaltet und alles. Ich habe auch ein Orga-Team. Die beiden Mädchen sagten gleich zu Anfang, sie wollten so genannt werden, und ohne Orga-Team nehme einen heutzutage kein Mensch mehr ernst.

Das Orga-Team sagt, sie stünden "echt voll hinter mir", aber manchmal behaupte ich, schnell eine rauchen zu gehen und belausche die beiden. Dann höre ich, wie sie über mich lachen und einander zuflüstern, Artenschutz sei Ihnen eigentlich total egal, aber mache sich eben gut im Lebenslauf, und überhaupt solle ich mal was gegen meine Augenringe machen. Sowas höre ich dann. Rauchen tu ich natürlich schon lange nicht mehr, aber nicht wegen der Augenringe. Viel mehr habe ich Angst, beim Zertreten der Kippe aus Versehen auf eine seltene Tierart zu treten.

Mein Mann hat mich verlassen, für eine Frau, der Artenschutz nicht so wichtig ist. An Sonntagabenden sitzen sie miteinander auf der Couch, trinken Rotwein, und unterhalten sich nicht über den iberischen Luchs. Solche Dinge machen den beiden Spaß.
Ich beobachte die beiden nachts mit einem Fernglas, aber wenn mein Mann mich erwischen sollte, werde ich behaupten, nach Schleiereulen Ausschau zu halten, und ein bisschen stimmt das ja auch. Bisher hat mein Mann mich nicht erwischt. Seine neue Frau hat blitzende Augen, von denen wendet er den Blick nur selten ab, um mich bei etwas zu erwischen.
Familie habe ich keine, das liegt aber auch an mir, denn ich habe alle meine Angehörigen erstochen. Jetzt bin ich selbst die letzte meiner Art. Ich bin jetzt sehr selten. Bei der Podiumsdiskussion werde ich ein bisschen davon erzählen, wie das so ist, als direkt Betroffene. Vielleicht kommt ihr ja. Es gibt Schnittchen, für den kleinen Hunger.

Keiner bedrohten Spezies anzugehören, macht auch nicht glücklich. 


Sonntag, 14. Februar 2016

Tagebuch 2

Meine Tagebuch-Einträge erscheinen sehr unregelmäßig. An guten Tagen schreibe ich nicht, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, skeptisch zu sein. Im Gegensatz zum Glück ist das Unglück ja verlässlich und tritt brav ein, wenn man sich lang genug darauf konzentriert. Auch die sehr unglücklichen Tage notiere ich nicht,  denn an sehr unglücklichen Tagen liege ich lieber im Bett und überprüfe, ob ich gerade einen Tinnitus habe. Wenn ich keinen habe, bilde ich mir das nervtötende Piepen einfach ein. Das klappt ganz prima.

 Heute ist Sonntag, das war letzte Woche auch schon so, und in meinen Kopf klang dieser Satz deutlich poetischer als er sich liest.
In knapp zwei Wochen erscheint mein Buch. Ich habe sehr große Angst davor und fühle mich furchtbar. Dann lese ich wieder einen Artikel über die Flüchtlingswelle und fühle mich furchtbar, weil ich mich furchtbar fühle, obwohl keine durchgeknallten Bürger meine Bleibe anzünden. Meine Ur-Oma hat immer gesagt "Denk an die Negerlein", aber das sagt sie jetzt nicht mehr, denn es ist grob rassistisch und hilft einem kein bisschen. Außerdem ist sie längst verstorben.

Die Geflüchteten tun mir Leid. Deutschland ist irritierend. Kaum kommen sie hier an, heißt es: Entweder du kochst in einer ARD-Alpha-Show ein traditionelles Gericht aus deiner Heimat oder wir fackeln dein Haus ab. Flüchtlinge werden entweder auf Refugee-Welcome-Partys in gammeligen Berliner Clubs geschleppt, oder allesamt als Frauenhasser beschimpft. Für Syrer muss Deutschland eine einzige Freakshow sein.

Die letzte Woche war schön, denn Freunde haben mich besucht. Freunde, das sind die, die Fotos von einem auf dem Handy haben, für die man schnell seinen Job verlieren würde. Freunde haben zottelige Haare, bleiben viel länger als angekündigt, fressen einem den Kühlschrank leer, und wenn sie wieder weg sind, ist man traurig. Ich habe nur drei davon, viel mehr kann ich mir nicht leisten, denn Freunde nehmen Zeit in Anspruch, und Zeit ist Geld, und von Geld kann man sich im Gegensatz zu Freunden herrliche Dinge kaufen.
Für euch war das mein Wochenrückblick, für mich war es eine Schreibübung, scrollt weiter, das war es schon, hier gibt es nichts zu sehen.

Das schöne an Sex: wenn man ihn nicht hat, kann man das Wort immer noch groß auf eine Parkbank schreiben oder als Klickgarant nutzen.



Mittwoch, 27. Januar 2016

MIR IST LANGWEILIG UND ALLES EGAL

Es ist unfassbar, wie langweilig mir ist. Heute war ich begeistert, weil mein Steuerberater mittags mit mir telefonieren wollte. Um neun bin ich aufgestanden und habe mir Frisuren-Videos bei Youtube angeschaut. Um Punkt 11 saß ich im Abendkleid vor meinem Telefon. 

Drei Stunden später immer noch. Leider hat mein Steuerberater doch nicht angerufen. Leider hat mein Steuerberater mich vergessen. Ich stellte den Handywecker auf zehn Minuten und nahm mir vor, noch zehn Minuten auf seinen Anruf zu warten. Als der Wecker klingelte, ging ich ans Telefon und blaffte ihn an, warum er mich so lange warten lässt. Ich habe zwei Stunden mit meinem ausgedachten Steuerberater geredet. Am Ende empfahl er mir Dinge, die ich tun könnte, anstatt mich zu langweilen.

"Staubsaug doch mal", sagte er, "du könntest auch einen Artikel schreiben oder spazieren gehen, das wäre doch schön", und ich schrie ins Telefon, woher er als imaginärer Steuerberater sich das Recht herausnehme, mir irgendwelche Sachen zu empfehlen, das sei verdammt nochmal mein Leben. Ich legte wütend auf.

Wenn einem langweilig ist, empfehlen einem Leute ständig Dinge, die man tun könnte. Staubsaugen. Schreiben. Spazieren gehen. Wenn einem aber wirklich langweilig ist, hat man auf alle diese Dinge keine Lust. Man möchte zuhause im Bett liegen und sich dafür verachten, dass man zuhause im Bett liegt. Man möchte sich Gründe überlegen, warum einen Staubsaugen, schreiben und spazieren gehen auf gar keinen Fall helfen würden.
Ich nehme meine Antriebslosigkeit sehr ernst. Anstatt ins Museum zu gehen, google ich Depressions-Tests. Ich bestehe sie alle, es ist aber ehrlich gesagt auch ziemlich einfach. Danach mache ich das Zeit-Wissens-Quiz. Ich weiß nichts, es ist aber ehrlich gesagt auch ziemlich schwierig. Und da soll noch einmal jemand behaupten, die Dummen seien glücklich. So ein Unsinn, ich bin saublöd und kreuzunglücklich.

Ich lese Internet bis zur Bewusstlosigkeit. Verhüllte Statuen in Rom. Ist mir egal. SPD. Ist mir egal. Alles ist mir egal. Das einzige, was mir nicht egal ist, ist, wie egal mir alles ist.

Es ist immer noch Nachmittag.  Ich vertreib mir die Zeit damit, heimlich bei dem Mann, den ich liebe, einzuziehen. Das geht ganz einfach: Ich gehe nicht mehr. Manchmal kommt er herein und versucht, mich auf sehr subtile und rührende Weise zum Gehen zu animieren. Er sagt zum Beispiel: "Hau endlich ab, du wurstgesichtige Probeaboschlampe!".
Dann zieh ich ihn fest an mich ran und schüttle den Kopf. Ich lieb ihn so. An den Abenden ist es meist etwas besser, denn da ist nur noch wenig vom Tag übrig. Stimmungswechsel! Anstatt gelangweilt, bin ich an den Abenden voller Selbsthass. Aufregend. Ich finde sogar raus, dass man sich für Selbsthass hassen kann. Ich altes Meta-Mäuschen. Manchmal vergesse ich kurz, wie schlecht gelaunt ich bin, und lache aus Versehen. Zur Strafe hämmere ich meinen Kopf gegen die Wand, denn inklusive Einnahme von Schmerzmitteln danach beschäftigt mich das für gute 5 Minuten.
 Dann gehe ich schlafen und träume, dass ich mich in einem Bordell bewerbe und nicht genommen werde. Dann schrecke ich hoch und mache mir Sorgen über meine baldige Erwerbslosigkeit. Verschuldet. Privatinsolvenz. Vielleicht muss ich sogar mein iPad verkaufen. Es ist nachts um drei, ich öffne den Laptop, schau, was man bei ebay Kleinanzeigen für iPads kriegt. Wenig. Ein bisschen Geld und kaum Hoffnung kriegt man dafür. Scheiß Kapitalismus.

Meine Eltern schenken mir ständig Grubenlampen. Ich habe immer noch keine Grube. Ich bin eine Enttäuschung für die ganze Familie. Leucht, leucht. 


Samstag, 9. Januar 2016

RESPEKTIERT DIE KLEINSTFAMILIEN!

Ich habe keine Kinder. Ich bin nicht verheiratet. Meine Ein-Frau-Familie ist also etwas unkonventionell. Das macht nichts. Wir lieben uns trotzdem. Auch wenn es oft schwer ist. Ich vermisse die kleinen Racker häufig.

Oft frage ich mich, wo sich die Kleinen herum treiben. Jede Mutter fragt sich das. Letztendlich sind wir auch nur eine ganz normale Familie. Ich habe keine Angst davor, dass uns Menschen beschimpfen, nur weil wir anders sind. Denn dann wird die Twittergemeinde mich verteidigen. Man kann nicht einfach Leute im Internet angreifen, vor allem keine gesellschaftlichen Randgruppen wie Ein-Erwachsenen-Familien.
Die einzige Randgruppe, die man haltlos beleidigen kann, ohne, dass es einen eigenen Hashtag dazu gibt, sind die Dummen. Da bleibt es still in der Digitaldisco. Da fühlt sich keiner auf den Schlips getreten. Die Dummen leisten eh die klügste Lobbyarbeit der Bundesrepublik. Ganz ohne Onlinepetitionen setzen sie ihre Interessen durch. Es ist fast unheimlich, wie geschickt sie dabei vorgehen. "Was ist noch unheimlich?", fragt sich der interessierte Leser und schaut mich wissbegierig an. Wie rührend! Ich verrate es sogleich:

Platz drei der unheimlichsten Leuten sind die, die zuhause eine Schublade mit Ersatzglühbirnen, Ersatzbatterien und Ersatzlebenspartnern haben. Solche Interdental-Bürstchen-Benutzer sind genau der Schlag Mensch, über den Nachbarn später im Fernsehen sagen,  dass sie immer nett und freundlich gewirkt haben.
Finger weg von Menschen, die Leute in Schubladen sperren und noch nie ratlos im Dunkeln standen! Schlaft lieber mit Menschen, die bei durchgebrannten Birnen hektisch nach Teelichtern suchen, da weiß man, woran man ist, und wenn nicht, kann man im Dunkeln danach tasten, und das macht Spaß.

Platz eins und zwei der unheimlichsten Menschen geht an alle Leute da draußen, die Profilbilder von Fremden auf Facebook teilen. Euch hat es irgendwann ordentlich die Synapsen verkohlt und ich werde euch NIE, wirklich NIEMALS zur goldenen Hochzeit meiner Eltern einladen.

Zurück zu meiner kleinen Familie. Dieser Blogpost ist eine Aufforderung an die Leitmedien und Rabatt-Entscheider Deutschlands, auch uns zu berücksichtigen. Auch ungezeugte Kinder wollen umsonst in der Bahn mitfahren! Beziehungsweise, natürlich wollen sie das nicht, niemand will freiwillig mit der Bahn fahren, außer vielleicht die mit den Ersatz-Glühbirnen. "Die Bahn", murmelt der Ersatz-Glühbirnen-Besitzer, "die mag ich. In der Bahn kann man reservieren. Reservieren ist schön."

Familienfoto vom Strandausflug (Familie nicht im Bild)

Dienstag, 5. Januar 2016

SO IST SCHREIBEN

Jetzt ist dieses Buch tatsächlich geschrieben, und plötzlich fragen alle, wie Schreiben denn so ist. Hier die Antwort.

Schreiben sei eine einsame Tätigkeit, sagen viele. Die vielen lügen. Ich wünschte, es wäre einsam. Für mich ist Schreiben eher wie eine schlechte Party mit einer miserablen Auswahl an Gästen. Die meisten habe ich nicht eingeladen. Spätestens nachdem ich zwei Worte getippt habe, klopft der erste Gast an, leise noch und etwas schüchtern, dann wird es voller, und während ich doch nur arbeiten möchte, rempeln mich alle an, wollen Smalltalk betreiben, schauen mir neugierig über die Schulter.

MEINE MUTTER:
Ich hoffe, sie widmet dieses Buch nicht mir. Oh Gott, hoffentlich widmet sie dieses Buch nicht mir. Sie soll es ihrem Vater widmen. Oder einem Fremden. Vielleicht einem Flüchtling? Kann ein Flüchtling eine Widmung gebrauchen? Kann IRGENDJEMAND dieses Buch gebrauchen? Ob es wohl Sexszenen gibt? Oh Gott, hoffentlich gibt es keine Sexszenen. Hoffentlich hat sie keinen Sex. Hat meine Tochter Sex? Gott, ist das ekelhaft alles.

MEINE GROSSMUTTER:
Ich mag das Buch, aber nur, wenn es heiter ist. Wenn das Buch nicht heiter ist, mag ich es nicht. Ich will ein heiteres Buch. Etwas fürs Herz! Ich bin deine Großmutter. Ich bin alt. Willst du deine alternde Großmutter unglücklich machen? Ich habe den Krieg nicht für ein schlechtes Buch meiner Enkelin überlebt. Ich will Heiterkeit!

EIN FEUILLETONIST:
Ich sprech jetzt mal für die gesamte Kulturlandschaft, ist so ein Hobby von mir: Man erkennt sofort, dass ein Buch nichts wert ist, wenn es heiter ist. Wir lachen nicht gern. Wir sind Feuilletonisten. Feuilletonisten, die lachen, nimmt ja kein Mensch ernst. Da können wir ja gleich Sextoys für bento testen. Überhaupt, wenn es nicht um die DDR oder die Nazivergangenheit geht, lesen wir den Mist gar nicht erst. Stichwort Dringlichkeit. Übrigens, vor kurzem hatten wir einen Kongress und haben beschlossen, was wir auf gar keinen Fall mehr wollen: Generationenbücher. Wenn es ein Generationenbuch wird, vergleichen wir dich mit Christian Kracht, bis du weinst. Wobei, der war wenigstens nicht heiter. Hey, Ronja! Erinnerst du dich an Klagenfurt? That was fun, right? Und das war nur der Anfang. Versprochen.

Da ist es. Wir kommen. Aber erst in zwei Monaten.
 Und dann gehen wir gleich wieder. Scheißparty.
DIE DOZENTEN DER SCHREIBSCHULE:
Du brauchst eine eigene Stimme. Stopp, stopp, das ist jetzt zu eigen, das ist ja völlig unverständlich. Wer soll das denn lesen? Fang noch mal von vorn an. Mach erst mal weiter.
Schreib nach Regeln. Brich die Regeln. Oh hey, schau mal, das Buch deines Kommilitonen geht gerade durch die Decke. Der schreibt ja auch erzählender. Und dringlicher. Und außerdem kam er nicht auf die glorreiche Idee, sich schon vor dem ersten Buch in einen Shitstorm hineinzuschreiben. Warte, streich das »glorreiche« in dem Satz da eben. Keine Adjektive! Schon gar keine so hässlichen wie »glorreich«. Glorreich, glorreich, glorreich. Bah. Ich kotz im Strahl. Ne, mach ich nicht. Ich bin Dozent.
Ich meine, um was geht es dir? Was ist das Problem deiner Protagonistin? Psst, nicht sagen, SHOW, DON’T TELL, meine Fresse. Mach’s bloß nicht spannend, dann ist es Genre, und Genreautoren laden wir nicht auf unsere Institutspartys ein. Und die sind nicht so schlecht, wie alle denken. Die sind glorreich.

DIE KOMPLEXE:
Weißt du, wer mehr wert ist als du? ALLE!

DIE LIEBLINGSAUTOREN RÄUSPERN SICH. SIE HÄTTEN DA EINEN COUNTRY-SONG EINGEÜBT, DEN WOLLTEN SIE ZUSAMMEN VORSINGEN: 
Hey Baby. Das haben wir schon gemacht. Hey Baby. Das auch. Das auch, aber besser. Und das auch, aber lustiger. Und das auch, aber mitreißender. Baby. Dein Buch ist die Hölle. Hölle, Hölle, Hölle. Es wäre ja schmeichelhaft, wenn du klauen würdest, aber du kopierst einfach schlecht. Du bist wie ein Kopierer ohne Tinte. Oder Papier. Oder Strom. Baby.Und ja, wir können keine Countrysongs. Aber dafür können wir schreiben, im Gegensatz zu dir.

SHALOM AUSLANDER:
Oh, Ronja klaut wieder? Gewöhnt euch dran. Die komplette Idee von diesem Text hier ist von mir. Kann jeder nachlesen auf tabletmag.com.

KNAUSGARD:
Schreib einfach über dich.

KAFKA:
Oder über Käfer?

J.K. ROWLING:
Du brauchst mehr Zauberer.

MARC UWE KLING:
Oder Kängurus!

STURM-UND-DRANG-GOETHE:
Du musst dich viel mehr vom Gefühl leiten lassen!

KLASSIK-GOETHE:
Du darfst dich nicht so sehr vom Gefühl leiten lassen!

EIN AMAZONKUNDE:
Also, mich hat das jetzt nicht umgehauen. War irgendwie öde. Also, zumindest bis Seite drei, weiter habe ich nicht gelesen. War zu langwei- lig. Oh Gott, war das langweilig. Stattdessen habe ich mein Mathebuch auswendig gelernt. Während der Lektüre von Rönnes Buch habe ich zweimal gelacht. Das erste Mal, weil mir beim Lesen der Kakao umge- kippt ist. Ich finde Sachen, die umkippen, lustiger als dieses Buch. Das zweite Mal war aus Versehen. Ich vergebe einen Stern, weil man nicht null vergeben kann. Definitiv KEINE Kaufempfehlung!!!!!!!!!

FLUCHTREFLEX:
Weißt du, was dir jetzt beim Schreiben helfen würde? Wein! Am besten, du entspannst dich erstmal. So wie gestern. Und vorgestern. Und vorvorgestern. Oh, schau mal da! Doch, da war gerade was! Geh lieber mal nachgucken. Und auf dem Rückweg kannst du gleich abspülen. Das müsstest du ja eh machen, irgendwann. Jetzt rauch erst mal eine. Oder lies doch mal etwas. Du musst dich doch informiert halten. Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du unbedingt das Internet durchlesen. Oder Qui-Gong lernen. Oder lernen, wie man Qi-Gong schreibt. 

KLASSIK-GOETHE:
Andere Frage: Bist du ein Genie? Weil sonst kannst du es eigentlich gleich ganz lassen.

FLUCHTREFLEX:
Was immer hilft, ist Wikipedia-Lebensläufe von Leuten lesen, die viel jünger schon viel erfolgreicher waren als du. Das hilft echt immer. Wirklich. Jetzt glaub mir doch mal!

MEIN VATER:
Und dafür haben wir ihr drei Studienabbrüche finanziert. Hoffentlich bringt ihr Bruder sie irgendwann durch. Oder um.

MEIN BRUDER:
Ich habe dich immer schon gehasst.

REDAKTEUR EINES HIPPEN ONLINE-MAGAZINS:
Dieses crazy Buch von der crazy Antifeministin ist doch nicht so crazy wie von diesem Winkels angenommen! Hyperkrass! Lest hier: Zehn Gründe, warum Rönnes Buch noch schlechter ist als die Lage in Syrien! Yolo!

JURYMITGLIED EINES BEDEUTENDEN LITERATURPREISES:
Hast du nicht eine Oma, die von irgendwo nach irgendwo geflüchtet ist?

MEINE GROSSMUTTER:
Schreib sowas wie der Hundertjährige, der abgehauen ist, das war eine schöne Geschichte, das war so nett.

DIE VERZWEIFLUNG:
IMIR GEHÖRT DIE WELT! NIEDER MIT DER HOFFNUNG!

DER MANN, DEN ICH LIEBE UND DER AUCH SCHREIBT, NUR BESSER:
Ich schreibe auch, nur besser. Generell bin ich besser als du. Man könn- te auch sagen: zu gut für dich. Oh, schau, eine fremde Jungautorin. Ich geh mal hallo sagen. Ich geh mal eine neue Beziehung ein. Tschüss!

FLUCHTREFLEX:
Ich mach jetzt einen Netflix-Account. Du MUSST ja nicht mitschauen, ich sag ja nur ...

DIE VERZWEIFLUNG:
Wer aufgibt, darf ausschlafen.

Irgendwann reicht es dann, ich klappe den Laptop zu und schmeiße sie alle raus. Nur die Verzweiflung bleibt noch ein bisschen und knutscht in einer Ecke mit dem Fatalismus. Dabei stoßen sie nichts um.


Am Ende sitzt man allein da und räumt die Scherben weg. Aber wer aufräumen muss, muss immerhin nicht schreiben. Immerhin das nicht.