Freitag, 18. Januar 2013

HAPPY BIRTHDAY (ENGLISH HUMOR)

(2012)
Vor zwei Tagen hatte ich Geburtstag. Der Tag an dem man die unglaublichen Schmerzen des Muttertiers vor 21 Jahren mit ordentlich Sekt feiert. Wie Weihnachten, waren Kindergeburtstage was ganz besonders. Der Tag an dem Eltern sich endlich dafür rächen können, dass ihnen ihr Spross die Karriere und den Beckenboden zerstört oder das Sexleben ruiniert hat.
Man feierte stets, bis der Erste heulte und einer kotzte. Eigentlich so ähnlich wie heute. Im Nachhinein bin ich allerdings überzeugt davon, dass meine Eltern recht diabolisch waren. Schokolade gab's nämlich nicht einfach so. Die haben meine Eltern  sadistischerweise in Zeitungspapier gewickelt und verschnürt. Wenn man eine sechs würfelte, musste man sich schwachsinnigerweise und bei zwanzig Grad Innentemperatur in Wintermontur samt Handschuhe schmeißen und die Schokolade mit Messer und Gabel irgendwie aufkriegen. Für mich der erste Stresstest. Auch auf Fesselspiele stehen meine Alten. So zwangen sie mich und meine vier Leidesgenossen aus dem Kindergarten, uns gegenseitig mit Klopapier zu umwickeln, bis wir uns nicht mehr rühren konnten. Haha. Sehr lustig. Uns wurde das als "Mumie-spielen" verkauft. Für dieses Spiel mussten diverse Bäume ihr Leben lassen und einige Fünfjährige leiden. Nein, diese Kindergeburtstage waren ein Kreuz. Blinde Kuh! Das sollte Swingerclub für Kinder heißen! Oder Topfschlagen? Moderne Folter. Erst wirst du gedreht, bis du kotzen willst. Dann siehst du nichts, schlägst wild mit einem Holzlöffel auf dem Boden rum und von hinten krakeelen vier Fünfjährige "HEISS! KALT!" bis sie sicher sind, dass du völlig die Orientierung verloren hast. Völlig unter Stress schlägst du auf alles ein, das dir vor die Nase kommt und kriegst dann noch eine gewischt, weil du mit dem Löffel deiner Mutter aus Versehen den Zeh gebrochen hast und ohne böse Absicht ein paar Meissner Teller erwischt hast. Irgendwann findest du den Topf, reißt dir erwartungsvoll die Binde runter und merkst dass du in der Küche bist. Und da ganz schön viele Töpfe stehen. Ohne irgendeine Überraschung.
Ich glaube tatsächlich, dass Freud den Ödipuskomplex überschätzt hat. Richtigen Schaden nehmen Kinder erst bei ihrem ersten Kindergeburtstag.

Freitag, 4. Januar 2013

ALLE JAHRE WIEDER

Die Weihnachtszeit ist vorbei, wieder sind wir alle ärmer und fetter geworden. Früher war das ja alles besser. Da hat man mit glänzenden Augen den neuen Chemiebaukasten ausgepackt. Am nächsten Tag war dann zwar die Katze tot, aber was tut man nicht für die Kleinen. Meine Eltern hatten ja immer einen pädagogischen Anspruch an Geschenke. Aus Holzbauklötzchen kann man sich schließlich auch einen Ipod bauen, und zusätzlich fördert das die Kreativität. Ob Eltern heute ihren Kindern Holzklötzchen als Iwood verkaufen?
Später wurde man moderner. Mein Bruder bekam immense Legosets, dessen Aufbau den Rest des Abends in Anspruch nahmen. Bionicles statt Mitternachtsmesse.
 Schon die Vorweihnachtszeit war damals großartig: Da bastelt man liebevoll für die Verwandtschaft. Zum Beispiel selbstgemachte Seife. Dass beim Erhitzen dieser die Mikrowelle explodierte und das Haus anschließend wochenlang einen fiesen Geruch hatte, nahm man in Kauf. Damals hatte Weihnachten noch Tradition. Pünktlich am 24. fiel meiner Familie regelmäßig auf, dass der Baum fehlt. Gehetzte Fahrt in die Stadt. Weigerung meines Vaters, einen Baum zu kaufen der mehr als 10 Euro kostet. Heulende Kinder, genervte Mutter, die spätestens dann für den Rest des Tages zu ihrer Freundin verschwand. Irgendwann stand dann aber immer ein spärliches Bäumchen im Wohnzimmer, meist brannten dann erst die Kerzen und später der Baum. So war das. Jedes Jahr. Alle Jahre wieder.

Freitag, 28. Dezember 2012

WIE FÜHLST DU DICH, RONJA?


fragte mich Facebook neulich in der Statuszeile. Dicht gefolgt von "Wie geht es dir?" und "Ronja, ist alles OK?" Ich schätze Marc Zuckerbergs Besorgnis sehr. Tatsächlich scheint Facebook mitfühlender und sensibler zu sein als die meisten Menschen.  Überhaupt wäre die Welt mit königsblauen Wiesen und Wipfeln ein besserer Platz. Ein Ort, an dem man zu allem aus dem Brustton der Überzeugung "GEFÄLLT MIR" sagen kann. Kein Leid, kein Hass, nur Videos von süßen Katzenbabys. Ein Ort ohne Gewalt, von gelegentlichen Anstupsern mal abgesehen. Wo alle Menschen Freunde sind und nur gelegentlich ein Shitstorm den facebookblauen Himmel verdüstert.
Im Gegensatz zu den meisten Männern vergisst Facebook auch nicht meinen Geburtstag. Im Gegenteil, es hat sich fürsorglich alle Geburtstage meiner Freunde notiert und erinnert mich stets freundlich an diese. Und im Gegensatz zu Kerlen arbeitet Facebook auch stets an unserer Beziehung. Es erinnert sich genau an unser erstes Mal (Ronja hat sich am 03.05.09 bei Facebook angemeldet) und das letzte Mal. Es ist überaus interessiert an meiner Vergangenheit, meiner Karriere, meiner Familie, meinen Wünschen, meinen Fotos.
Aber mit der Zeit ist Facebook wahnsinnig eifersüchtig geworden und fängt an, mich zu stalken. Es petzt meinen Freunden, wann ich ihre Nachrichten gelesen habe. Es verrät Wildfremden, wo ich zur Schule gegangen bin. Es schlägt mir in den Werbeanzeigen gehässig Schönheitsoperationen und Diätseiten vor. Es ist in mein Telefon gekrochen und macht dort permanent mit aufdringlichem Klingeln auf sich aufmerksam.
Deswegen wollte ich mich kürzlich trennen. Aber Facebook lässt nicht locker. Als ich mich zur Trennung entschied, fragte es erst kleinlaut "Warum möchtest du dich von Facebook abmelden? Liegt es an den Privatsphäreeinstellungen (daran können wir arbeiten) oder daran dass ich ständig blau bin?" und teilte mir nach dem letzten Abmeldeschritt frech mit "Du kannst dich jederzeit wieder einloggen. Es wird alles so sein, wie du es verlassen hast."'
Irgendwie süß. Ich glaub ich komm wieder.

Dienstag, 6. November 2012

FILMVOLK

Wie versprochen, habe ich mein Studium nach einer Vorlesung abgebrochen. Man kann mir also keine Inkonsequenz vorwerfen. Meine momentane alternative Verhaltenstherapie: Ein Praktikum bei einer Filmproduktion. Über das Filmvolk wurde viel gesagt und noch mehr verschwiegen. Um einen Film zu verwirklichen, braucht es viele, viele Mitarbeiter. Alles fängt an beim Drehbuch. Obwohl heute jeder drittklassige Kurzfilmautor im Besitz eines Macbooks ist, werden Drehbücher grundsätzlich nur in einer Schreibmaschinenschriftart verfasst. Das ist wichtig, damit man nicht vergisst, wie einsam Drehbuchautoren hinter ihren Schreibtischen sitzen. Bis heute vermute ich hinter dieser Schriftart einen Schrei nach Aufmerksamkeit. Einem Comic Sans Autor würde man höchstens in die Kinderfilmabteilung versetzen, aber mit Courier sieht alles wahnsinnig ernst und erfahren aus. Danach kommt das Drehbuch in die Redaktion, wo ernsthafte Männer von ernsthaften Sendern sitzen und das Drehbuch genauso ernsthaft ablehnen. Erst beim dritten Anlauf des Autors ist der Ottonormalredakteur gewillt, einen ernsthaften Blick auf das Drehbuch zu werfen. Stirnrunzelnd legt er seine Lektüre später zur Seite, ruft den Autor an und zerfetzt (an guten Tagen nur verbal) sein Lebenswerk. So frönt der Autor seinen masochistischen, der Redakteur seinen sadistischen Neigungen, beide sind zufrieden und nach gemeinsamer Arbeit kann das Ganze nun endlich in Produktion gehen. In der Produktion sieht man viele Menschen mit Kaffeetassen. Die, die nur die eigene tragen, sind wichtig. Die, die mehrere tragen, sind Praktikanten. Und die, die tatsächlich arbeiten, heißen Assistenten. Und der, der sich über die Qualität seines Kaffees beschwert, ist der Hauptdarsteller.Das gemeine Filmvolk ist vor allem busy und aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen oft müde und süchtig nach diversen (meist legalen) Aufputschmitteln. Möchte man ihm dennoch eine Freude machen, sollte man einfach behaupten, man sei Amerikaner. Erstens können sich Kreative dann wie alle anderen Intellektuellen  über Amerika echauffieren, und zweitens dürfen sie dann endlich ihr sorgsam eintrainiertes Oxford Englisch zum Besten geben.

(Mein Filmteam ist übrigens sehr nett und natürlich total anders)

Mittwoch, 10. Oktober 2012

EINE TRAGISCHE MÜLL - TRENNUNG


Einst erglühte voller Liebe
Ein Joghurtbecher voller Triebe
Zwischen Aludeckel und Papier
entbrannte eine Liebe hier
Als das Papiere leise flüstert
hat es beim Alu gleich geknistert
In ewiger Verbundenheit
und zugeschweißter Zweisamkeit
schwor man sich der Treue ewig
doch bald schon waren beide – ledig.

Denn der Vater nahm den Snack,
reißt grausam ihm den Deckel weg.
Nein, raschelt leise das Papier
Niemals möcht ich weg von dir!
Doch das Alu knistert tröstlich
Ein Wiedersehen im Müll ist möglich!

Doch die Familie ist modern,
und trennt auch ihren Müll recht gern
Hier das Plastik, dort den Rest
den Deckel nicht beim Rest man lässt!
So wurd das Paar entzwei gerissen
Papier wird Alu stets vermissen
Der Mensch - er hat es weitgebracht
- Atomphysik und Wissensmacht
Doch auch im jetzigen Jahrhundert
wen hätte das auch groß verwundert
besteht die Müllapartheid hier
Kein Tetrapack mit Dosenbier!
Kompost und Plastik - grausam entzweit
auch jene Liebe brachts nicht weit
So wird nur die Sehnsucht bleiben
Und die Traurigkeit der beiden.


Montag, 24. September 2012

Meine Zukunft - eine Tragödie in fünf Akten

Dinge mit denen ich mich alternativ beschäftige: Wilde Frisuren in Kombination mit Alkohol
Mein erstes Studium habe ich mit 19 abgebrochen. Früh übt sich, was Sozialfall werden will. Nach ungefähr drei Wochen, Theaterwissenschaft in München. Theaterwissenschaft ist ein Klangstudium, klingt hübsch ist aber ohne Substanz, ein Studium, in dem  vor allem verhinderte Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler sitzen, die es nicht an die entsprechenden Schulen geschafft haben. Vereinzelt sitzen da auch Leute, denen das wirklich gefällt: der Typus, der als Lieblingsfach in der Schule Latein nannte. Meine so schon deprimierte Grundstimmung hat sich durch die theoretische Abhandlung des Theaters im alten Griechenland  nicht merklich verbessert und so bin ich nach einem knappen Monat aus einer Vorlesung marschiert und habe mir Dinge überlegt, in die ich die 500 Euro Studiengebühren besser investiert hätte. Zum Beispiel einen Toaster, der die Uhrzeit auf das Brot röstet oder dreißig Geigerzähler. Diesen Oktober folgt der zweite Studiengang, diesmal in Wien: Publizistik. Wieder eine Verlegenheitswahl, die ich nach wenigen Wochen bereuen werde, aber was soll man tun? Wenn man mich fragt, was ich in studieren werde, entschuldige ich mich erstmal "Publizistik, ich weiß, dumme-Mädchen-Studiengang für Leute die später Latte Macchiato in to-go Bechern trinken, aber ich will nicht noch ein Jahr gar nichts tun, deswegen lieber erstmal so und ich bewerbe mich nebenher noch auf zehn anderen Schulen, schreibe außerdem und bin überhaupt ein übermäßig kulturell interessiertes Persönchen" So tröpfelt meine Adoleszenz dahin, unbeeindruckt von meinem akademischen Versagen werden sich Falten und Orangenhaut bilden und spätestens mit dreißig werde ich den letzten Studiengang beginnen, mit dem immer alles aufhört: Lehramt. Und später einer von denen werden, die mit Zornesfalte ihren Schülern predigen, sich ja früh genug Gedanken um ihre Zukunft zu machen. Mein Neid gilt all denen, die schon mit acht in Freundschaftsbücher kritzelten "Wenn ich mal groß werde, will ich Diplomingenieur für Nukleartechnologie werden" Ich fühlte die Zeile "Das will ich mal werden" meist mit dem innigen Wunsch "SCHÖN" aus. Ich frag mich, wo ich mal landen soll. Für viele Karrierepläne ist es eh schon zu spät, Fußballstar zum Beispiel. Aber wenn ich schon mir nicht weiterhelfen kann, muntert dieser Post vielleicht den ein oder anderen auf, der ebenso planlos vor seinem Rechner sitzt, eigentlich vor hatte Studiengänge zu googeln oder eine Bewerbung zu schreiben und die Zeit tatsächlich damit vertreibt, voller Konzentration den Newsfeed bei Facebook zu aktualisieren
You are not alone.
Procrastinators unite! ...Tomorrow

Mittwoch, 22. August 2012

SPORT IST... SCHEISSE

Ich habe ein grundsätzliches Problem mit Sport. Es macht schon evolutionstechnisch keinen Sinn, völlig grundlos durch die Gegend zu joggen. Energien muss man sparen! Der Mensch soll rennen, um das Mammut zu fangen. Also den BigMac, im übertragenen Sinn. Später konnte man zum Markt reiten, um sich seine Hammelkeule zu holen. Und heute fahr ich die drei Kilometer zum McDrive eben mit meiner Karre. Das ist reine Evolution. Anscheinend habe ich das Prinzip Sport aber immer falsch verstanden, denn heute jagen wir nicht mehr lebendigen Schnitzeln, sondern "meditativer Ausgeglichenheit", "Agilität" und "innerer Ruhe" nach. Da meine innere Ruhe der eines Eichhörnchens auf Speed gleicht und meine Agilität der meiner Urgoßtante nahekommt, habe ich beschlossen, Sport eine Chance zu geben. Also schnurstracks die supergedämpften Laufschuhe untergeschnallt und los! Schon nach 200 Metern merke ich, dass das bei mir nix wird mit innerer Ruhe. Bei jedem Schritt werde ich mieser gelaunt, die Straße scheint länger und dehnbarer zu sein als Merkels Definition des raschen Atomausstiegs.
Glücklicherweise gibt es ja nicht nur eine Sportart. Als Nächstes versuche ich mich  am Inline Skaten. Fahren klappt ja super, denke ich nach ein paar Minuten und lege munter an Geschwindigkeit zu. Bremsen klappt leider nicht so super. Ein aufgeschürftes Knie später habe ich keine Lust mehr auf Adrenalin und versuche das Gegenteil: Yoga. Das ist nämlich super entspannend, klärt man mich auf. Ich empfand die Stunde als semientspannend, da ich in direkter Konkurrenz zu einem Neunzigjährigen turnte, der sich selig lächelnd und in meditativer Ruhe seine Beine hinter den Kopf klemmte.
Ich habe mich damit abgefunden, das Sport um des Sportes willen nicht mein Ding ist. Deswegen fahre ich ab heute mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dafür muss ich mir nur erstmal eines organisieren. Ich habe gehört es gibt jetzt ultramoderne Modelle mit Elektromotor..?

Mittwoch, 1. August 2012

SOMMERZEIT - SCHRECKLICH AMÜSANT


Es ist Sommer. Die Zeit, in der man sich plötzlich ständig genötigt fühlt, wilde Dinge an der freien Luft zu unternehmen, viel Alkohol zu konsumieren, möglichst weit weg zu fahren und brauner als die NPD zu werden.
Sobald man die eine Aktivität in Angriff nimmt, wird schon die Nächste geplant, bloß keine Zeit verlieren denn die Sonnenuhr tickt und es ist ja schon August. Nichts ist stressiger, als intensiv zu entspannen.
Dabei ist das Schönste am Sommer die Ruhe, die man jetzt in Büchereien, Kletterhallen und Schwimmbädern hat. Da ist es jetzt leiser und kühler als im restlichen Jahr.
Dabei will ich mich gar nicht beschweren, ich liebe den Sommer: Endlich in kurzen Hosen am PC sitzen. Und da mach ich dann multioptionalen Urlaub: Ich schau mir auf Facebook an, wie meine Freunde mit Delfinen schwimmen, durch Osteuropa trampen oder mit ihrem Schatz "gaaanz glücklich am Gardasee chillen".
Es ist frustrierend, bei mir reicht das Geld gerade mal dafür, um von lüsternen Bademeistern begafft zu werden, während ich ein Flutschfingereis esse. Fürs Magnum reichts halt nicht, dieses Jahr. Der Sommer setzt mich beständig unter den Druck, Dinge zu unternehmen für die ich entweder kein Geld oder keine Zeit habe. Für mich bleiben nur die verklebten Sitze der Münchner U-Bahn.
Sogar meinem PC ist es mittlerweile zu heiß geworden, der Lüfter hat den Geist aufgegeben. Seitdem kühle ich ihn mit Tiefkühl-Suppengemüse. Mittlerweile ist das Gemüse aufgetaut, vielleicht sollte ich den Tag mit etwas Sommerlichen ausklingen lassen. Zum Beispiel "Ein mörderischer Sommer" im Heimkino zu schauen.



                                     

Mittwoch, 4. Juli 2012

ONE FOR THE MONEY, TWO FOR THE SHOW


Ich bin berühmt. Also im Prinzip. Da meine geistigen Ergüsse scheins auch blutjungen Süddeutschen- Redakteuren gefallen, erschien ich gestern in der Zeitung. In der ZEITUNG! Richtig mit retrochicem Schwarweißbild und so weiter.
Zwar nicht Titelseite oder so, sondern auf der Jugendseite des Regionalteils München und da in der untersten Ecke. Aber hey! Was nicht ist kann ja noch werden. Berühmt sein ist bestimmt super, und das Beste daran sind die Häppchen. Wäre ich berühmt, ich würd zu jeder D-Promi-Veranstaltung gehen, allein zwecks der Häppchen! Was für umme ist, ist gut, momentan mein recht simples Lebensmotto.
Berühmtheit ist ja son bisschen wie rote Haare: Hat mans nicht, will mans und wenn mans hat, hat man schnell genug davon.

                       

EINE BEZIEHUNG..

..endet in dem Moment, in dem der Satz "Ich wärms mir einfach später auf" fällt.

Montag, 18. Juni 2012

GLÜCK

Letztendlich lässt sich unser Leben nur durch zwei Faktoren optimieren: Lebensverlängerung und Lebensverschönerung. Ich bin mit beidem überfordert.
Glücklich sein klingt für mich nach Druck. Während die einen sagen "glücklich kann man nicht werden, sondern nur sein", scheint das Glück für die meisten immer grad unpässlich zu sein. Wenn man ein Dorfkind ist, chillt das Glück in einer Studenten-WG in der City und wenn man in der Stadt wohnt, macht man Ferien auf dem Bauernhof. Ist man jung, hat man Zeit und Energie aber nicht genug Geld um glücklich zu sein. Und wenn man älter ist hat man das Geld, aber nicht die Zeit. Ganz am Ende hat man Geld und Zeit, aber keine Energie mehr.
"Ist doch scheiße" denkt sich der Ottonormaldepressive. Macht aber gar nichts nichts, schreiben tausende Ratgeber. Denn wir brauchen gar nicht unser Leben zu verändern, sondern lediglich unsere Einstellung. Ergebnisoptimierung durch Erwartungsreduktion quasi. Ich nehm mal an dieser Post hat null Leser, und wenn wenigstens meine Mutter einen Kommentar schreibt, kann ich mich schon freuen. Seems legit.
Glück durch Selbstkasteiung ist ebenfalls ein beliebtes Rezept. Man nehme keinen Genuß, vermenge dies mit keinerlei weltlichen Freuden und konzentriere sich auf sich selbst.  Da ich mir bei meinem momentanen Kontostand eh nichts leisten kann, hat sich dieses Konzept zum Selbsttest angeboten. Das Ergebnis? Da ich kein Geld für Festivaltickets oder eine Flugbuchung habe, sitze ich vor dem Laptop und schreib einen behämmerten Text darüber, dass ich nicht glücklich bin. Das mit der Selbstkasteiung funktioniert wohl erst ab Level Einsiedler.

Nimmt man mal alle Meinungen zum Glück zusammen, brauche ich das neueste Auto, muss aber ohne Materielles leben. Benötige ich einen Freund nebst Affären, muss aber bis zur Ehe Jungfrau bleiben. Muss ich reisen und frei sein, aber an meine Zukunft denken. Kann ja nicht klappen.

Schlussendlich müssen wir uns wohl damit abfinden, dass wir ein lustiger Zellhaufen sind der ohne Plan auf diesem Planeten rumgurkt. Ob wir ein bisschen glücklich dabei werden, liegt nur im Interesse unserer Egos. Deswegen mein neuer Plan: Ich fühle mich als Gott und stehe über alledem. In achtzig Jahren ist der Zirkus eh vorbei.

                              
(Entstanden vor zwei Jahren in Costa Rica, wiedergeboren vor drei Stunden in Photoshop)

Dienstag, 12. Juni 2012

"DU BIST VERRÜCKT MEIN KIND..DU MUSST NACH BERLIN"


                                                                                                        (Hausdach in Kreuzberg)

Mein Freundeskreis teilt sich entzwei: Die, die Berlin hypen und die, die Berlin-Hyper verachten. Ich für meinen Teil vergöttere Berlin, gebe das aber nicht zu. Außer vor Berlinern. Alles nicht so einfach.
Wer meine älteren Posts gelesen hat weiß, dass ich versuche mich mit München anzufreunden. Erst letzte Woche war ich wieder in Berlin und muss zugeben: München gefällt mir erst dann, wenn ich lang genug nicht mehr in Berlin war. Auch wenn ich schreibe, dass München ok ist:  Fakt ist, dass ich am letzten Tag meines Berlinaufenthaltes gejammert und gebockt hab wie ein Kind, das vom Kindergarten abgeholt wird. ICH WILL NICHT WEG. Niemals will ich das. Aber Berlins Magie erfasse ich erst dann, wenn ich wieder komme, nicht wenn ich bleibe. Berlin bleibt für mich ein Traum - ich kann mich ja schlecht im wahren Leben von Tetrapack "Weinverschnitt aus Ländern der EU" und arabischen Schnellgerichten für 1,50 ernähren. Berlin ist meine Bühne, meine Chance mich so zu interpretieren wie ich will. Mein Münchner-Ich kotzt bei diesem pseudoindividuellem Gelaber.
Während ich in München in drei Jobs arbeite, um irgendwie zu überleben, können sich Berliner scheins von ihren niemals fälligen "Projekten" ernähren. Ein geregeltes Einkommen ist dort peinlicher als ein Arbeitslosenausweis in München. Wer seine Miete in Berlin pünktlich bezahlen kann, gehört praktisch schon zur Noblesse. Und nichts ist verachtenswerter als ein Prenzlberger, der sein Biogemüse kauft und nicht containert. Für den Monat habe ich noch zwei Euro fünfzig. Ick bin en Berliner.
München ist der Mann, neben dem man beruhigt jeden Tag einschlafen kann, Berlin das ewig unstete Abenteuer.

Dienstag, 29. Mai 2012

GENERATION GLIBBER

Wir 90er Kinder sind aufgewachsen mit glibberigen Flutschhänden, die man an die Fensterscheibe schmeißen konnte. Die Dinger haben hässliche Flecken an den Wänden und hysterische Anfälle bei unseren Müttern verursacht.
Und noch heute haben wir es gern - naja klebrig. In den letzten Jahren hat sich ein irrer Markt etabliert, weil jemand auf die Idee kam Früchte püriert zu verkaufen. Denn unsere Generation nuckelt lieber an überteuerten Plastikfläschchen anstatt in einen Apfel zu beißen. Smoothies sind die ideale Metapher für die Einstellung unserer Generation: Hauptsache wenig Aufwand und bequem. Wer in München studiert weiß, dass Demos nur dann nur gut besucht werden, wenn deswegen die Uni ausfällt. Ich bin selbst ein Schönwetterdemonstrant. Pfui, Regen! Neee, da hau ich lieber Omi für ein weiteres Jahr Studiengebühren an. Das ist peinlich, aber wahr. Die wenigsten arbeiten noch ein Jahr bei der Post, um sich danach einen  Asientrip zu leisten. Geht mir Google Earth ja auch viel schneller und außerdem muss man sich nicht mit hässlicher Diarrhö plagen. Wir matschen und patschen unsere Zukunft zurecht. Es sind nicht mehr unsere Eltern die fragen, was wir später damit anfangen wollen wenn wir Philosophie studieren möchten. Es sind unsere Freunde. Lieber einen langweiligen Studiengang nehmen, mit dem man später easy einen noch langweiligeren Job findet. Dass Arbeit Spaß machen kann, glauben die wenigsten noch. Totale Resignation, gepaart mit null Ideologie. Das ist beängstigend und ein Armutszeugnis. Wir befriedigen unseren Sozialtrieb mit Facebook, unseren Eros mit Youporn und unsere Reiselust mit Auslandsblogs.
Wo sind die Grenzgänger? Und damit mein ich nicht Leute, die "Irgendwie hat Sarrazin ja auch Recht" posten.
Ich bin ja selbst nicht anders. Anstatt wildfremde Leute auf der Straße darauf anzusprechen, verfasse ich Feigling diesen Post. Darauf einen Kamillentee.