Samstag, 13. Dezember 2014

Ich schreibe ein Buch. Es ist schwierig und scheußlich.

Das ZEIT-Feuilleton sagt, wir jungen Schreiber haben nichts zu sagen und keine Inhalte. Ich finde, das ZEIT -Feuilleton hat Recht. Ich möchte trotzdem ein Buch schreiben, denn "Ronja von Rönne" ist ein so schöner Autorenname, dass es wirklich Verschwendung wäre, kein Buch zu schreiben.
Dieser Entschluss ist jetzt etwa ein halbes Jahr alt, einen Roman habe ich immer noch nicht, dafür aber eine Schreibroutine:

1. Ich sage Leuten, dass ich heute unbedingt schreiben muss
2. Ich gehe nach Hause, koche etwas und denke mir, dass ich unbedingt schreiben muss
3. Ich google Schreibblockade
4. Ich lache Autoren aus, die über Schreibblockaden schreiben
5. Ich kriege ein schlechtes Gewissen und denke mir: Schreib doch erstmal irgendwas.
6. Ich schreibe über Schreibblockaden
7. Ich reiße alle Geschenke meines Adventskalenders auf und esse panisch Marzipankartoffeln.

Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Ich finde es furchtbar schwierig, beim Schreiben Entscheidungen zu treffen. Andererseits will ich mir ja auch nicht mein Buch kaufen. Warum sollte ich dann bestimmen, um was es darin geht? Schließlich müssen Leser dafür Geld bezahlen, da wäre ein kleines bisschen Mitspracherecht nur fair.

Deswegen hier mein Aufruf: Schreibt mir eine Email (ronja.roenne@hotmail.de) oder einen Kommentar mit EUREN Vorschlägen. Es geht wirklich alles: Namen für Protagonisten, Handlungsvorschläge, thematische Ideen, Orte, Situationen, Worte, die ihr schön findet, Formideen.
Alles, was mir spontan gefällt, webe ich ein. Super Deal: Ich bekomme gratis tolle Ideen und Einfälle und ihr bekommt - nichts! Helft mir, ich bin so sehr am Ende, dass ich darüber blogge, wie sehr ich am Ende bin.

Das einzige Thema, das ich von vorne herein ausschließe ist "Idealismus in der Kunst".

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Für meinen Paketboten reise ich bis ans Ende der Welt, notfalls bis Salzgitter

Ich habe großen Ärger mit dem DHL. Beziehungsweise habe ich keinen Ärger, weil nicht mal der geliefert wird. Meine Kommunikation über den DHL läuft im besten Falle über niedliche, gelbe Zettel, auf denen steht, dass ich nicht zuhause war. Aber eigentlich steht da natürlich "Fick dich Ronja, ich weiß genau, dass du im zweiten Stock wohnst, kannste selbst zur Post laufen".
Es gibt seit einigen Jahren die Paketverfolgung. Ein praktisches Gadget, dass es einem ermöglicht, festzustellen, dass das georderte Paket sich nicht etwa auf dem Weg zur heimischen Adresse befindet, sondern in Salzgitter gelandet ist. Und weil der DHL partout nicht telefonisch mit mir kommunizieren will, schrieb ich einen Brief zurück. Der den DHL warschienlich nie erreichen wird. Findig sind sie ja, die Hunde.

Lieber DHL,
Die Paketverfolgung meldete mir, dass mein Paket mit der Sendungsnummer 943920423 derzeit in Salzgitter sei. Das ist ärgerlich, denn ich wohne in Hildesheim. Ein Umzug nach Salzgitter ist mir leider dezeit aus finanziellen und beruflichen Gründen nicht möglich. In der Paketverfolgung steht außerdem, dass das Paket nicht zugestellt worden konnte. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn ich war noch nie in Salzgitter und plane derzeit auch keinen Urlaub dahin. Aber vielleicht werde ich mal ein Gap Year dort verbringen, zumindest scheint dort der Paketdienst zu funktionieren. Vielleicht werde ich mich dort auf die Straße stellen und mir eine funktionierende Infrasturkur ansehen. Ich werde ein rotes Kleid tragen und vom Fenster aus den fleißigen Paketboten zuwinken. Ich werde mir Schuhe bestellen. Ich werde mir eine Waschmaschine bestellen. Ich werde mir Glück und schöne Männer bestellen. Und weil ich in Salzgitter wohne, wird alles geliefert werden. Nach meinem Gap Year werde ich natürlich traurig sein, mich sorgsam in ein Päkchen schnüren, um mich wieder nach Hildesheim zu schicken. Aber natürlich, natürlich werde ich niemals dort ankommen.
 Denn was nach Salzgitter geliefert wird, bleibt in Salzgitter. Bitte grüßt meine Familie von mir. Ich werde sie alle schmerzlich vermissen.
Herzlichen Gruß,
Ronja Larissa von Rönne


Und jetzt gehe ich baden. Denn ich habe ein Badesalz gefunden, dass all meine Probleme löst.



Sonntag, 23. November 2014

KEINE GNADE AM MORGEN

 Ich wache oft gegen vier Uhr morgens auf. Meistens, weil ich keine Luft bekomme. Um vier Uhr morgens eine Panikattacke zu bekommen ist sehr praktisch, denn sonst verpasst man nicht viel. Die Geschäfte haben geschlossen, die Exfreunde ihr Handy im Flugmodus.
Weil aber auch die schönste Panikattacke nicht für immer ist, will die Zeit bis zur Morgendämmerung genutzt werden. Also erledige ich, ganz die Generation Produktiv, all die Dinge, zu denen ich sonst so selten komme. Ich starre in mein finsteres Zimmer und denke über Mahngebühren nach, stelle mir den Tod vor und führe imaginäre Gespräche mit Menschen, die mir verhasst sind. Ich male mir die Zukunftsangst aus. Ich stelle mir vor, wie in meinem Kopf ein Tumor wächst. Spätestens, wenn die Sonne aufgeht, weiß ich, welche Fehlentscheidungen in meinem Leben mich zu dem gemacht haben, was ich heute nicht bin.
Unfair ist, dass nach dieser Tortur erst der Tag beginnt, das einzige, was vielleicht noch schlimmer ist als der Morgen. Grässlich viele Stunden warten grinsend darauf, genutzt zu werden. Weil es aber hell ist, und weil man in der Uni sitzt, und weil es starken Kaffee gibt, kann ich mich tagsüber sehr gut mit meinen moralischen Verfehlungen, meiner Unproduktivität und meinem destruktiven Lebensstil arrangieren.
Das Schöne ist, dass sich die Zeit von ganz allein verlebt. Ich muss gar nichts tun. Ich kann mit einer Scheibe Toast auf meinem Grabstein sitzen und warten. Aber weil ein Grabstein sehr unbequem ist, wache ich häufig nachts auf und muss darüber nachdenken, warum ich meine kurze Erdenzeit nicht sinnvoller genutzt habe. Alles ist sehr schlimm.


So seh ich morgens nicht aus. So seh ich aus, wenn ich ein Bild machen will, dass gut zu einem Blogpost passt, in dem ich erzähle, wie gut mir morgendliches Joggen tut.


Donnerstag, 30. Oktober 2014

"DEPRESSIONEN FIND ICH SCHARF"

Man fragt sich, was mit den Leuten los ist. Eh schon, wenn man Menschen im Theater mit Northface-Jacken sieht. Aber es ist ja alles noch viel irrer. Und irgendwann ist das Irre glamourös geworden.

Ich bin für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten. Ob jemand nun Diabetes oder Depression oder beides hat, ist mir erst einmal egal. Beides sind Krankheiten. Aber Krankheiten sind für mich erstmal nichts, was Menschen irgendwie besonders macht. Wenn mir jemand sagt "Alter, ich habe Magendarminfekt, vorher richtig heftig gekotzt, jetzt gehts mir besser", ist es auch irgendwie in Ordnung, ehrlichen Ekel zu zeigen. Ersetzt man in dem gleichen Satz das Wort Magendarminfekt mit Bulimie, fühle ich irgendwie dazu genötigt, völlig ergriffen zu sein.  Irgendwann in letzter Zeit hat sich die Depression und ihre Gefährten sogar als beliebtes Smalltalkthema durchgesetzt. Folgendes ist wirklich passiert:

 A.: "Daniel, das ist Ronja. Die war auch mal in Therapie, ihr versteht euch bestimmt super!"
Daniel: "Oh, krass. Ich find Mädchen mit Depressionen irgendwie scharf. Die haben so was dunkles."

 Wenn der Junge auf die dunkle Seite abfährt, hat er ja Glück gehabt, er selbst ist zumindest nicht besonders helle. Dass sich die Depression irgendwann als etwas Glamouröses durchsetzte, hat sicherlich mit ihren berühmten Betroffenen zu tun. Wer depressiv ist, steht in einer Reihe mit Picasso, Shakespeare, Kierkegaard. Und natürlich kann man sagen, welcher vernünftige Mensch ist nicht von Grund auf unglücklich. Aber es gibt eine feine Linie zwischen aufrichtigem Unglücklich-Sein und einer Depression. Zweiteres ist eine Krankheit. Hat nichts mit Traurigkeit zu tun. Tritt oft willkürlich ein und nicht, weil man so dermaßen deepe Gedanken hat. Depression kann auch ziemlich dumme Leute treffen. Und ich will den Typen sehen, der darauf abfährt, wenn ich ungeduscht mit fettigen Haaren auf meinem Bett sitze, kalten Curry King esse, mich nicht bewege und einsilbig antworte, weil jedes Wort enorme Anstrengung kostet. Depression, Bulimie, Panikattacken, Burn Out und haste-nicht-gesehen sind keine Auszeichnung künstlerischen Darbens, sind nicht romantisch, sondern ein Abfuck vor dem Herren. Ganz genau wie Magendarminfekte. Oder Northface-Jacken.

Freitag, 24. Oktober 2014