Mittwoch, 27. Januar 2016

MIR IST LANGWEILIG UND ALLES EGAL

Es ist unfassbar, wie langweilig mir ist. Heute war ich begeistert, weil mein Steuerberater mittags mit mir telefonieren wollte. Um neun bin ich aufgestanden und habe mir Frisuren-Videos bei Youtube angeschaut. Um Punkt 11 saß ich im Abendkleid vor meinem Telefon. 

Drei Stunden später immer noch. Leider hat mein Steuerberater doch nicht angerufen. Leider hat mein Steuerberater mich vergessen. Ich stellte den Handywecker auf zehn Minuten und nahm mir vor, noch zehn Minuten auf seinen Anruf zu warten. Als der Wecker klingelte, ging ich ans Telefon und blaffte ihn an, warum er mich so lange warten lässt. Ich habe zwei Stunden mit meinem ausgedachten Steuerberater geredet. Am Ende empfahl er mir Dinge, die ich tun könnte, anstatt mich zu langweilen.

"Staubsaug doch mal", sagte er, "du könntest auch einen Artikel schreiben oder spazieren gehen, das wäre doch schön", und ich schrie ins Telefon, woher er als imaginärer Steuerberater sich das Recht herausnehme, mir irgendwelche Sachen zu empfehlen, das sei verdammt nochmal mein Leben. Ich legte wütend auf.

Wenn einem langweilig ist, empfehlen einem Leute ständig Dinge, die man tun könnte. Staubsaugen. Schreiben. Spazieren gehen. Wenn einem aber wirklich langweilig ist, hat man auf alle diese Dinge keine Lust. Man möchte zuhause im Bett liegen und sich dafür verachten, dass man zuhause im Bett liegt. Man möchte sich Gründe überlegen, warum einen Staubsaugen, schreiben und spazieren gehen auf gar keinen Fall helfen würden.
Ich nehme meine Antriebslosigkeit sehr ernst. Anstatt ins Museum zu gehen, google ich Depressions-Tests. Ich bestehe sie alle, es ist aber ehrlich gesagt auch ziemlich einfach. Danach mache ich das Zeit-Wissens-Quiz. Ich weiß nichts, es ist aber ehrlich gesagt auch ziemlich schwierig. Und da soll noch einmal jemand behaupten, die Dummen seien glücklich. So ein Unsinn, ich bin saublöd und kreuzunglücklich.

Ich lese Internet bis zur Bewusstlosigkeit. Verhüllte Statuen in Rom. Ist mir egal. SPD. Ist mir egal. Alles ist mir egal. Das einzige, was mir nicht egal ist, ist, wie egal mir alles ist.

Es ist immer noch Nachmittag.  Ich vertreib mir die Zeit damit, heimlich bei dem Mann, den ich liebe, einzuziehen. Das geht ganz einfach: Ich gehe nicht mehr. Manchmal kommt er herein und versucht, mich auf sehr subtile und rührende Weise zum Gehen zu animieren. Er sagt zum Beispiel: "Hau endlich ab, du wurstgesichtige Probeaboschlampe!".
Dann zieh ich ihn fest an mich ran und schüttle den Kopf. Ich lieb ihn so. An den Abenden ist es meist etwas besser, denn da ist nur noch wenig vom Tag übrig. Stimmungswechsel! Anstatt gelangweilt, bin ich an den Abenden voller Selbsthass. Aufregend. Ich finde sogar raus, dass man sich für Selbsthass hassen kann. Ich altes Meta-Mäuschen. Manchmal vergesse ich kurz, wie schlecht gelaunt ich bin, und lache aus Versehen. Zur Strafe hämmere ich meinen Kopf gegen die Wand, denn inklusive Einnahme von Schmerzmitteln danach beschäftigt mich das für gute 5 Minuten.
 Dann gehe ich schlafen und träume, dass ich mich in einem Bordell bewerbe und nicht genommen werde. Dann schrecke ich hoch und mache mir Sorgen über meine baldige Erwerbslosigkeit. Verschuldet. Privatinsolvenz. Vielleicht muss ich sogar mein iPad verkaufen. Es ist nachts um drei, ich öffne den Laptop, schau, was man bei ebay Kleinanzeigen für iPads kriegt. Wenig. Ein bisschen Geld und kaum Hoffnung kriegt man dafür. Scheiß Kapitalismus.

Meine Eltern schenken mir ständig Grubenlampen. Ich habe immer noch keine Grube. Ich bin eine Enttäuschung für die ganze Familie. Leucht, leucht. 


Samstag, 9. Januar 2016

RESPEKTIERT DIE KLEINSTFAMILIEN!

Ich habe keine Kinder. Ich bin nicht verheiratet. Meine Ein-Frau-Familie ist also etwas unkonventionell. Das macht nichts. Wir lieben uns trotzdem. Auch wenn es oft schwer ist. Ich vermisse die kleinen Racker häufig.

Oft frage ich mich, wo sich die Kleinen herum treiben. Jede Mutter fragt sich das. Letztendlich sind wir auch nur eine ganz normale Familie. Ich habe keine Angst davor, dass uns Menschen beschimpfen, nur weil wir anders sind. Denn dann wird die Twittergemeinde mich verteidigen. Man kann nicht einfach Leute im Internet angreifen, vor allem keine gesellschaftlichen Randgruppen wie Ein-Erwachsenen-Familien.
Die einzige Randgruppe, die man haltlos beleidigen kann, ohne, dass es einen eigenen Hashtag dazu gibt, sind die Dummen. Da bleibt es still in der Digitaldisco. Da fühlt sich keiner auf den Schlips getreten. Die Dummen leisten eh die klügste Lobbyarbeit der Bundesrepublik. Ganz ohne Onlinepetitionen setzen sie ihre Interessen durch. Es ist fast unheimlich, wie geschickt sie dabei vorgehen. "Was ist noch unheimlich?", fragt sich der interessierte Leser und schaut mich wissbegierig an. Wie rührend! Ich verrate es sogleich:

Platz drei der unheimlichsten Leuten sind die, die zuhause eine Schublade mit Ersatzglühbirnen, Ersatzbatterien und Ersatzlebenspartnern haben. Solche Interdental-Bürstchen-Benutzer sind genau der Schlag Mensch, über den Nachbarn später im Fernsehen sagen,  dass sie immer nett und freundlich gewirkt haben.
Finger weg von Menschen, die Leute in Schubladen sperren und noch nie ratlos im Dunkeln standen! Schlaft lieber mit Menschen, die bei durchgebrannten Birnen hektisch nach Teelichtern suchen, da weiß man, woran man ist, und wenn nicht, kann man im Dunkeln danach tasten, und das macht Spaß.

Platz eins und zwei der unheimlichsten Menschen geht an alle Leute da draußen, die Profilbilder von Fremden auf Facebook teilen. Euch hat es irgendwann ordentlich die Synapsen verkohlt und ich werde euch NIE, wirklich NIEMALS zur goldenen Hochzeit meiner Eltern einladen.

Zurück zu meiner kleinen Familie. Dieser Blogpost ist eine Aufforderung an die Leitmedien und Rabatt-Entscheider Deutschlands, auch uns zu berücksichtigen. Auch ungezeugte Kinder wollen umsonst in der Bahn mitfahren! Beziehungsweise, natürlich wollen sie das nicht, niemand will freiwillig mit der Bahn fahren, außer vielleicht die mit den Ersatz-Glühbirnen. "Die Bahn", murmelt der Ersatz-Glühbirnen-Besitzer, "die mag ich. In der Bahn kann man reservieren. Reservieren ist schön."

Familienfoto vom Strandausflug (Familie nicht im Bild)

Dienstag, 5. Januar 2016

SO IST SCHREIBEN

Jetzt ist dieses Buch tatsächlich geschrieben, und plötzlich fragen alle, wie Schreiben denn so ist. Hier die Antwort.

Schreiben sei eine einsame Tätigkeit, sagen viele. Die vielen lügen. Ich wünschte, es wäre einsam. Für mich ist Schreiben eher wie eine schlechte Party mit einer miserablen Auswahl an Gästen. Die meisten habe ich nicht eingeladen. Spätestens nachdem ich zwei Worte getippt habe, klopft der erste Gast an, leise noch und etwas schüchtern, dann wird es voller, und während ich doch nur arbeiten möchte, rempeln mich alle an, wollen Smalltalk betreiben, schauen mir neugierig über die Schulter.

MEINE MUTTER:
Ich hoffe, sie widmet dieses Buch nicht mir. Oh Gott, hoffentlich widmet sie dieses Buch nicht mir. Sie soll es ihrem Vater widmen. Oder einem Fremden. Vielleicht einem Flüchtling? Kann ein Flüchtling eine Widmung gebrauchen? Kann IRGENDJEMAND dieses Buch gebrauchen? Ob es wohl Sexszenen gibt? Oh Gott, hoffentlich gibt es keine Sexszenen. Hoffentlich hat sie keinen Sex. Hat meine Tochter Sex? Gott, ist das ekelhaft alles.

MEINE GROSSMUTTER:
Ich mag das Buch, aber nur, wenn es heiter ist. Wenn das Buch nicht heiter ist, mag ich es nicht. Ich will ein heiteres Buch. Etwas fürs Herz! Ich bin deine Großmutter. Ich bin alt. Willst du deine alternde Großmutter unglücklich machen? Ich habe den Krieg nicht für ein schlechtes Buch meiner Enkelin überlebt. Ich will Heiterkeit!

EIN FEUILLETONIST:
Ich sprech jetzt mal für die gesamte Kulturlandschaft, ist so ein Hobby von mir: Man erkennt sofort, dass ein Buch nichts wert ist, wenn es heiter ist. Wir lachen nicht gern. Wir sind Feuilletonisten. Feuilletonisten, die lachen, nimmt ja kein Mensch ernst. Da können wir ja gleich Sextoys für bento testen. Überhaupt, wenn es nicht um die DDR oder die Nazivergangenheit geht, lesen wir den Mist gar nicht erst. Stichwort Dringlichkeit. Übrigens, vor kurzem hatten wir einen Kongress und haben beschlossen, was wir auf gar keinen Fall mehr wollen: Generationenbücher. Wenn es ein Generationenbuch wird, vergleichen wir dich mit Christian Kracht, bis du weinst. Wobei, der war wenigstens nicht heiter. Hey, Ronja! Erinnerst du dich an Klagenfurt? That was fun, right? Und das war nur der Anfang. Versprochen.

Da ist es. Wir kommen. Aber erst in zwei Monaten.
 Und dann gehen wir gleich wieder. Scheißparty.
DIE DOZENTEN DER SCHREIBSCHULE:
Du brauchst eine eigene Stimme. Stopp, stopp, das ist jetzt zu eigen, das ist ja völlig unverständlich. Wer soll das denn lesen? Fang noch mal von vorn an. Mach erst mal weiter.
Schreib nach Regeln. Brich die Regeln. Oh hey, schau mal, das Buch deines Kommilitonen geht gerade durch die Decke. Der schreibt ja auch erzählender. Und dringlicher. Und außerdem kam er nicht auf die glorreiche Idee, sich schon vor dem ersten Buch in einen Shitstorm hineinzuschreiben. Warte, streich das »glorreiche« in dem Satz da eben. Keine Adjektive! Schon gar keine so hässlichen wie »glorreich«. Glorreich, glorreich, glorreich. Bah. Ich kotz im Strahl. Ne, mach ich nicht. Ich bin Dozent.
Ich meine, um was geht es dir? Was ist das Problem deiner Protagonistin? Psst, nicht sagen, SHOW, DON’T TELL, meine Fresse. Mach’s bloß nicht spannend, dann ist es Genre, und Genreautoren laden wir nicht auf unsere Institutspartys ein. Und die sind nicht so schlecht, wie alle denken. Die sind glorreich.

DIE KOMPLEXE:
Weißt du, wer mehr wert ist als du? ALLE!

DIE LIEBLINGSAUTOREN RÄUSPERN SICH. SIE HÄTTEN DA EINEN COUNTRY-SONG EINGEÜBT, DEN WOLLTEN SIE ZUSAMMEN VORSINGEN: 
Hey Baby. Das haben wir schon gemacht. Hey Baby. Das auch. Das auch, aber besser. Und das auch, aber lustiger. Und das auch, aber mitreißender. Baby. Dein Buch ist die Hölle. Hölle, Hölle, Hölle. Es wäre ja schmeichelhaft, wenn du klauen würdest, aber du kopierst einfach schlecht. Du bist wie ein Kopierer ohne Tinte. Oder Papier. Oder Strom. Baby.Und ja, wir können keine Countrysongs. Aber dafür können wir schreiben, im Gegensatz zu dir.

SHALOM AUSLANDER:
Oh, Ronja klaut wieder? Gewöhnt euch dran. Die komplette Idee von diesem Text hier ist von mir. Kann jeder nachlesen auf tabletmag.com.

KNAUSGARD:
Schreib einfach über dich.

KAFKA:
Oder über Käfer?

J.K. ROWLING:
Du brauchst mehr Zauberer.

MARC UWE KLING:
Oder Kängurus!

STURM-UND-DRANG-GOETHE:
Du musst dich viel mehr vom Gefühl leiten lassen!

KLASSIK-GOETHE:
Du darfst dich nicht so sehr vom Gefühl leiten lassen!

EIN AMAZONKUNDE:
Also, mich hat das jetzt nicht umgehauen. War irgendwie öde. Also, zumindest bis Seite drei, weiter habe ich nicht gelesen. War zu langwei- lig. Oh Gott, war das langweilig. Stattdessen habe ich mein Mathebuch auswendig gelernt. Während der Lektüre von Rönnes Buch habe ich zweimal gelacht. Das erste Mal, weil mir beim Lesen der Kakao umge- kippt ist. Ich finde Sachen, die umkippen, lustiger als dieses Buch. Das zweite Mal war aus Versehen. Ich vergebe einen Stern, weil man nicht null vergeben kann. Definitiv KEINE Kaufempfehlung!!!!!!!!!

FLUCHTREFLEX:
Weißt du, was dir jetzt beim Schreiben helfen würde? Wein! Am besten, du entspannst dich erstmal. So wie gestern. Und vorgestern. Und vorvorgestern. Oh, schau mal da! Doch, da war gerade was! Geh lieber mal nachgucken. Und auf dem Rückweg kannst du gleich abspülen. Das müsstest du ja eh machen, irgendwann. Jetzt rauch erst mal eine. Oder lies doch mal etwas. Du musst dich doch informiert halten. Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du unbedingt das Internet durchlesen. Oder Qui-Gong lernen. Oder lernen, wie man Qi-Gong schreibt. 

KLASSIK-GOETHE:
Andere Frage: Bist du ein Genie? Weil sonst kannst du es eigentlich gleich ganz lassen.

FLUCHTREFLEX:
Was immer hilft, ist Wikipedia-Lebensläufe von Leuten lesen, die viel jünger schon viel erfolgreicher waren als du. Das hilft echt immer. Wirklich. Jetzt glaub mir doch mal!

MEIN VATER:
Und dafür haben wir ihr drei Studienabbrüche finanziert. Hoffentlich bringt ihr Bruder sie irgendwann durch. Oder um.

MEIN BRUDER:
Ich habe dich immer schon gehasst.

REDAKTEUR EINES HIPPEN ONLINE-MAGAZINS:
Dieses crazy Buch von der crazy Antifeministin ist doch nicht so crazy wie von diesem Winkels angenommen! Hyperkrass! Lest hier: Zehn Gründe, warum Rönnes Buch noch schlechter ist als die Lage in Syrien! Yolo!

JURYMITGLIED EINES BEDEUTENDEN LITERATURPREISES:
Hast du nicht eine Oma, die von irgendwo nach irgendwo geflüchtet ist?

MEINE GROSSMUTTER:
Schreib sowas wie der Hundertjährige, der abgehauen ist, das war eine schöne Geschichte, das war so nett.

DIE VERZWEIFLUNG:
IMIR GEHÖRT DIE WELT! NIEDER MIT DER HOFFNUNG!

DER MANN, DEN ICH LIEBE UND DER AUCH SCHREIBT, NUR BESSER:
Ich schreibe auch, nur besser. Generell bin ich besser als du. Man könn- te auch sagen: zu gut für dich. Oh, schau, eine fremde Jungautorin. Ich geh mal hallo sagen. Ich geh mal eine neue Beziehung ein. Tschüss!

FLUCHTREFLEX:
Ich mach jetzt einen Netflix-Account. Du MUSST ja nicht mitschauen, ich sag ja nur ...

DIE VERZWEIFLUNG:
Wer aufgibt, darf ausschlafen.

Irgendwann reicht es dann, ich klappe den Laptop zu und schmeiße sie alle raus. Nur die Verzweiflung bleibt noch ein bisschen und knutscht in einer Ecke mit dem Fatalismus. Dabei stoßen sie nichts um.


Am Ende sitzt man allein da und räumt die Scherben weg. Aber wer aufräumen muss, muss immerhin nicht schreiben. Immerhin das nicht.



Donnerstag, 10. Dezember 2015

10 fantastische Tipps gegen Schüchternheit

Arg ist es, das erste Mal ein fremdes Menschlein zu treffen. Besonders arg, wenn dieses Menschlein fantastisch scheint, wenn man also plant, mit ihm einige Stunden und die Jahre bis zum Tod verbringen zu wollen. Deswegen hier 10 Tipps gegen Schüchternheit beim ersten Treffen.

1. Betrinken Sie sich drei Stunden vor dem Date zu Hause. Betrinken Sie sich mit hartem Zeug, Wodka zum Beispiel. Hören Sie nicht auf Ihre Freunde, die Ihnen davon abraten, die gönnen Ihnen nur Ihr Glück nicht. Betrinken Sie sich so sehr, dass sie völlig blau auf Ihrem Wohnzimmerteppich einschlafen. Auf diese Weise verschlafen Sie das Date. Entschuldigen Sie sich am nächsten Tag und erklären Sie ihm, was passiert ist. Verabreden Sie sich erneut. Wiederholen Sie Punkt 1, bis er genug von Ihrer Unzuverlässigkeit hat und Ihnen ein Alkoholproblem unterstellt. Erzählen Sie ihren Freunden, er habe Ihnen Alkoholismus unterstellt, ohne sie auch nur einziges Mal getroffen zu haben. Lassen Sie sich den Typen von ihren Freunden ausreden. Sie brauchen niemanden, der mit Anschuldigungen um sich wirft.

2. Tragen Sie beim Date eine schöne, bunte Papiertüte über dem Kopf. Auf diese Weise sieht er nicht, wenn Sie während des Gesprächs erröten. Wenn Sie möchten, können Sie die Papiertüte vorher liebevoll dekorieren, vielleicht mit dem dem Emblem seines Lieblingsvereins. Männer lieben kreative Frauen! Andersrum gilt das gleiche, denn auch Frauen mögen Fußball und wir haben 2015.

3. Verabreden Sie sich mit Marc für den 1. Dezember zum Dinner. Tragen Sie in Ihren Kalender "2. Dezember Dinner mit Marc" ein. Fragen Sie mich nicht, wer zur Hölle Marc ist. Er wird schon ganz nett sein und sie sind wirklich nicht in der Position, Ansprüche zu stellen.

4. Üben Sie Konversation vor dem Spiegel. Erzählen Sie Ihrem Spiegelbild Ihre drei Lieblingswitze. Lachen Sie über Ihre Witze. Sehen Sie in den Spiegel: Ihr Gegenüber lacht ebenfalls! Sie sind schön! Verlieben Sie sich in sich selbst. Sagen Sie dem Date ab, schließlich haben Sie jetzt jemanden gefunden, der genau tickt wie Sie.

5. Reden Sie während des ersten Dinners nur über Ihre letzte Beziehung. Es hilft, über Themen zu reden, mit denen man sich gut auskennt. Wenn der Gegenüber immer einsilbiger wird: Einfach weitermachen. Hilft ja nichts. Nicht aufhören. Nie aufhören. Auch nicht wenn er vom Tisch aufsteht und das Restaurant verlässt. Reden Sie weiter über Ihren Ex. Wenn keiner der anderen Gäste zuhört, reden sie einfach lauter. Über seine Haare. Seinen Duft. Den ersten gemeinsamen Urlaub. Erinnern Sie sich an alle seine guten Eigenschaften. Fangen Sie an zu weinen. Sehen Sie ein, dass sie noch nicht über ihn hinweg sind. Brüllen Sie andere Gäste an, dass sie schon noch sehen werden, was sie von ihrer Scheißbeziehung haben. Fahren Sie zur Wohnung ihres Ex. Klingeln Sie Sturm. Wenn er nicht da ist: Öffnen Sie die Tür mit einem Dietrich. Legen Sie sich nackt in sein Bett. Verbrennen Sie die Bilder seiner Neuen. Er wird die Überraschung lieben!

6. Verabreden Sie sich für 2018. Wenn das Menschlein nicht so lange warten will, hat er Sie eh nicht verdient.

7. Bereiten Sie sich auf das Date vor. Legen Sie sich Gesprächsthemen und gute Anekdoten bereit. Sie können auch Witze auswendig lernen. Üben Sie kluge Sätze ein. Bitten Sie das Menschlein, Ihnen bei der Vorbereitung zu helfen. Wenn es das seltsam findet, hat er eh nichts verstanden.

8. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Sagen Sie während des gesamten Dates nichts. Kein einziges Wort. Wer nichts sagt, braucht sich auch für nichts zu schämen. Das lässt sie mysteriös wirken. Außerdem erfahren Sie so mehr über ihn. Zum Beispiel, dass er nicht auf Leute steht, die nicht reden. Interesting!

9. Verabreden Sie sich an einem Ort, an dem Sie sich wohlfühlen, zum Beispiel Ihrer Badewanne, dem Wohnzimmer ihrer Eltern oder dem Bett ihres Exfreundes. Das macht locker!


10. Liegen bleiben. Haus nicht verlassen. Im Schlaf Leute auslachen, die glücklicher sind als man selbst. Die Idioten. Hahaha. Glückliche Trottel. Hahaha. Im so alone. Hahaha. Help.

(Teile des Textes sind im Original meiner letzten Kolumne in der "glamour" entnommen)

Donnerstag, 19. November 2015

Wie man Eifersucht los wird

Ich lebe sehr zurückgezogen. Einmal hat jemand geklingelt, da habe ich nicht aufgemacht. Das war vor vielen Jahren. Sonst hatte ich meine Ruhe. Das Alleinsein hat lange geklappt, aber dann habe ich mich verliebt, denn ich bin ein Mensch.

Das machte alles schwierig, denn wenn man verliebt ist, muss man den anderen ständig sehen, sonst schreibt man schlechte Gedichte und vergisst vor lauter Kummer, den Tee zu zuckern und wird noch unglücklicher. Ich habe also ganz schnell die Tür aufgemacht, und den Mann, den ich liebe, bei mir eingesperrt. 
Das lief eine Zeit lang sehr gut. Wir gingen zusammen nie aus, wie gingen gemeinsam auf keine Partys, wir verpassten miteinander Konzerte und auch zum Sport gingen wir nie. "Hierbleiben?" fragte ich und er nickte begeistert und wir umarmten uns und hatten es besser als der Rest der Welt.
Das war schön, aber dann vergaß der Mann, wie schön das war. 

Plötzlich wollte er "auch mal was alleine machen", er wollte "Freiräume" und "auch mal seinen Hobbys nachgehen" und "einen Schritt vor die Tür machen". Die Anführungsstriche malte er dabei hektisch in die Luft, als würde das helfen, als würde irgendwas helfen.
Dabei kann der Mann gar keine Hobbys haben, denn auf Hobbys wäre ich ja eifersüchtig.  
Eifersucht ist eh ein Problem. Am Anfang war ich nur auf Menschen eifersüchtig. Mittlerweile hasse ich jeden Gegenstand mit einem weiblichen Artikel. Die Tischkante. Die Badezimmertür. Die Angst.

Ich habe also alle Dinge mit weiblichem Begleiter rausgeworfen. Ich will den Mann, den ich liebe, für mich haben, und mehr als ihn brauche ich eh nicht. Wir sitzen auf dem Boden. Es ist sehr kalt (DIE Heizung, rausgeschmissen). 
Der Mann sagte: "Du hast ein Problem." 
Bei Problemen rufe ich oft meine Mutter an. Meine Mutter gab mir am Telefon den Ratschlag, man müsse Menschen, die man liebt, auch ziehen lassen. Also habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen. 

Einige Zeit schwiegen der Mann und ich uns an, bis mir plötzlich auffiel, dass DIE Stille einen Keil zwischen uns trieb, also schrie ich ihn ein bisschen an, um sie zu verjagen. Der Mann sagte irgendwann, er habe das nicht so gemeint mit den Freiräumen und den Hobbys und dem vor-die-Tür-gehen. Seitdem sind wir wieder glücklich, liegen im Bett und schmieden gemeinsam keine Pläne.
Liebe hat auch einen weiblichen Artikel. Ich schmeiße sie später weg. Die brauchen wir nicht. Wir brauchen ja nur uns.

Wer beim Eifersüchtigsein etwas anderes trinkt als Caprisonne, hat nichts verstanden.