Donnerstag, 8. Mai 2014

Ich liebe dich. Und dich. Und mich.

"Gestern haben wir einfach Bridget Jones gesehen, eine Flasche Wein aufgemacht und Pizza bestellt". Klingt nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Liebe, Glück. Setzt man diesen Satz ins Singular, "Gestern hab ich Bridget Jones gesehen" usw, ist man auf einmal Alkoholiker und hat eigentlich kein Leben, oder zumindest ein ziemlich bedauerliches.

Keine Beziehung. Viel Liebe.
Paar ist das Endziel, Single heißt übersetzt alleine. Diese Haltung ist in einer Zeit, in der sogenannte "Singlehaushälte" Normalität sind, nicht mehr zu halten. Trotzdem sehnen sich Mittzwanziger immer noch nach der klassischen Beziehung, Zusammenziehen, Zusammenkochen, Zusammen Haste-nicht-gesehen.
Schluss mit dem Paaradigma.Wir feiern uns als treu und loyal, weil wir Schluss machen, bevor wir betrügen. Serielle  Monogamie heißt das und ist gesellschaftlich deutlich tolerierter als ein diskreter Seitensprung. Dabei geht an  Ersterem eine Liebe zu Grunde, bei Zweiterem nur die Illusion, einem Menschen auf Lebzeiten als Kopulationspartner zu genügen. 
 Liebestechnisch wurden wir von Disney und Hollywood  indoktriniert, Filme, die immer enden, wenn es am  Spannendsten wird: Was, wenn wir den Typen gefunden  haben, der bleiben soll? Disney antwortet regelmäßig: Kuss, Ausblende und alles was bleibt ist die trügerische Illusion einer immerwährenden Zeichentrickromantik.

Trotzdem plagen wir uns in sisyphosscher Sturheit an einem Modell ab, das unseren Erwartungen nie genügen kann. Aber anstatt unsere Erwartungen zu senken, sollte man endlich das Modell überdenken. Wer intelligent mit seinem emotionalen Kapital wirtschaftet, verteilt es auf verschiedene Menschen und Instanzen. Bestätigung aus eigener Leistung, Zugehörigkeit durch Freunde. Einem einzigen Menschen die Verantwortung für sein Seelenheil zu übergeben ist irre, und man zahlt mit Eifersucht und Verlustangst.

Leipzig. Helene Bukowskis © 
Man könnte das Ganze noch weitertreiben: Eifersucht ist nichts anderes als persönliche Schwäche und Unsicherheit. Und noch weiter: Selbst begründete Eifersucht, ein Seitensprung etwa, ist eigentlich nur dein Problem. Wer sich frühzeitig ein Netz aufgebaut hat, und seinen Selbstwert aus sich selbst heraus schöpft, wird nicht so tief fallen und kann um so freier l(i)eben.

Wer traditionelle Beziehungsformen hinterfragt, riecht meistens ein bisschen nach Haschkeks und wurde wahrscheinlich in den Siebzigern sozialisiert. Aber ich möchte nicht für gammelige Hippiekommunen werben, sondern für die Anpassung vom Modell an die Menschen, die es betrifft, und nicht andersherum. Ich will nur daran erinnern, dass man als Single noch lange nicht alleine ist. Dass es okay ist, alleine eine Flasche Wein trinken. Und dass man Menschen lieben kann, ohne sie besitzen zu wollen.