Montag, 29. Dezember 2014

ALTE FREUNDE SIND DAS LETZTE

An Weihnachten trifft man alte Freunde wieder. Die meisten sind natürlich weder alt, noch Freunde, trotzdem umarmt man sich, ein bisschen länger als sonst, weil man so tut, als ob man es wirklich so meinen würde. Man lässt die Augen blitzen und strahlt: Gehts dir gut? Man erinnert sich mühsam an alte Insider, die nicht mehr zünden, aber man lacht trotzdem, denn sonst müsste man ja miteinander reden, und genau das will man nicht, sonst wären es ja keine alten, sondern echte Freunde.
Man hält sich gegenseitig auf dem Laufenden: Nein, ich rauch nicht mehr. Ja, ich wohne jetzt auch in Berlin. Nein, ich habe jetzt keinen Sex mehr mit Schimpansenbabys. Dann lacht man höflich und sagt: Oh, krass, wie hast du das denn geschafft mit dem Rauchen aufzuhören und schade, das Schimpansen-ficken hat dir doch früher so viel Spaß gemacht! Schon fühlt man sich wieder ein bisschen verbunden. Wie früher. Und kurz denkt man, dass früher vielleicht alles gar nicht so schlecht war, wie mein Psychiater behauptet.

Denn es gibt natürlich Gründe, warum diese Menschen alte und nicht aktuelle Freunde sind. Weil ich nicht mit Menschen befreundet sein will, die so eklige Dinge tun, wie mit Schimpansen zu schlafen oder change.org Links zu posten. Der wahre Grund, warum man so sehr strahlt, wenn man alte Freunde umarmt, liegt daran, dass man diese Fressen an den anderen 363 Tagen im Jahr nicht umarmen muss. Weihnachten ist die Zeit der Dankbarkeit. Ist Zeit der Aufarbeitung. Manchmal gibt es ja auch gute Neuigkeiten: Die Stufenschönste ist mittlerweile fett und der ehemalige Klassensprecher hat sich vor einen ICE 3 geworfen. Dann guckt man betroffen, sagt: Züge fand er früher schon immer toll und dreht sein Glas in den Händen, während man sich die zerfetzten Einzelteile dieses Arschlochs im Schnee glitzernd vorstellt. Blut auf Weiß. Schön. Weihnachtlich.
 Und weil ja Weihnachten ist, glaubt man auf einmal wieder ein bisschen an Gerechtigkeit. Und dann fängt es an, leise zu schneien.

Foto hat Luisa von mir gemacht. Danke, Luisa!



Donnerstag, 11. Dezember 2014

Für meinen Paketboten reise ich bis ans Ende der Welt, notfalls bis Salzgitter

Ich habe großen Ärger mit dem DHL. Beziehungsweise habe ich keinen Ärger, weil nicht mal der geliefert wird. Meine Kommunikation über den DHL läuft im besten Falle über niedliche, gelbe Zettel, auf denen steht, dass ich nicht zuhause war. Aber eigentlich steht da natürlich "Fick dich Ronja, ich weiß genau, dass du im zweiten Stock wohnst, kannste selbst zur Post laufen".
Es gibt seit einigen Jahren die Paketverfolgung. Ein praktisches Gadget, dass es einem ermöglicht, festzustellen, dass das georderte Paket sich nicht etwa auf dem Weg zur heimischen Adresse befindet, sondern in Salzgitter gelandet ist. Und weil der DHL partout nicht telefonisch mit mir kommunizieren will, schrieb ich einen Brief zurück. Der den DHL warschienlich nie erreichen wird. Findig sind sie ja, die Hunde.

Lieber DHL,
Die Paketverfolgung meldete mir, dass mein Paket mit der Sendungsnummer 943920423 derzeit in Salzgitter sei. Das ist ärgerlich, denn ich wohne in Hildesheim. Ein Umzug nach Salzgitter ist mir leider dezeit aus finanziellen und beruflichen Gründen nicht möglich. In der Paketverfolgung steht außerdem, dass das Paket nicht zugestellt worden konnte. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn ich war noch nie in Salzgitter und plane derzeit auch keinen Urlaub dahin. Aber vielleicht werde ich mal ein Gap Year dort verbringen, zumindest scheint dort der Paketdienst zu funktionieren. Vielleicht werde ich mich dort auf die Straße stellen und mir eine funktionierende Infrasturkur ansehen. Ich werde ein rotes Kleid tragen und vom Fenster aus den fleißigen Paketboten zuwinken. Ich werde mir Schuhe bestellen. Ich werde mir eine Waschmaschine bestellen. Ich werde mir Glück und schöne Männer bestellen. Und weil ich in Salzgitter wohne, wird alles geliefert werden. Nach meinem Gap Year werde ich natürlich traurig sein, mich sorgsam in ein Päkchen schnüren, um mich wieder nach Hildesheim zu schicken. Aber natürlich, natürlich werde ich niemals dort ankommen.
 Denn was nach Salzgitter geliefert wird, bleibt in Salzgitter. Bitte grüßt meine Familie von mir. Ich werde sie alle schmerzlich vermissen.
Herzlichen Gruß,
Ronja Larissa von Rönne


Und jetzt gehe ich baden. Denn ich habe ein Badesalz gefunden, dass all meine Probleme löst.