Freitag, 20. März 2015

10 Dinge, die man im Leben gemacht haben sollte

1. Man sollte sich sehr schnell von dem Gedanken verabschieden, dass Listen fremder Leute einen aus der Tristesse ziehen. Großer Quatsch, meine Liste bringt nur mir was, und zwar kein Lebensglück, sondern Klicks. Außerdem sollte man nicht mit Leuten befreundet sein, für die Klicks von phänomenaler Wichtigkeit sind.

Überhaupt ist ja gar nicht so wichtig, was man gemacht haben sollte, sondern was man lieber nicht machen sollte. Man sollte zum Beispiel kein Lebensmotto haben, außer vielleicht dieses: "Ich küsse lieber Menschen mit Ebola, als Leute mit Lebensmotto und ich werde sie dabei sehr grimmig ansehen, also die mit dem Motto, nicht die mit Ebola". Und dann sollte man allen, die sagen dass ein Lebensmotto aber knackiger formuliert sein muss, an einen Stuhl fest binden und James Joyce vorlesen.

10. Man sollte auch Leute mit Lebensmotto lieber nicht zu Partys einladen. Das sind nämlich immer die, die bei jeder Gelegenheit "SIEBEN JAHRE SCHLECHTER SEX!" kreischen. Wahrscheinlich ist das ihr Lebensmotto.
Was sollte man sonst noch unterlassen? Männer sollten sich nicht ständig mit einem Hammer zwischen die Beine schlagen. Auf Dauer kann es zu Potenzproblemen kommen. Druckern sollte man nicht vertrauen, Menschen noch weniger. Ansonsten sollte man an einem so possierlichen Sonnentag lieber nicht in seinen Bildschirm gucken und Blogposts lesen, sondern euphorisch im Matsch spielen. Das macht glücklicher, und dem Matsch ist auch egal, ob man ein Lebensmotto hat.



Die Wolke ist sehr froh, dass sie nicht ständig Listen im Internet liest.. Sie strahlt richtig. Ihre Puffeligkeit und gesunde Farbe kommt daher, dass sie so oft an der frischen Luft ist. "Ich bin mehr so der Outdoor-Typ", sagt sie oft.

Sonntag, 15. März 2015

NO HARD FEELINGS

Es braucht eine sanfte Revolution. Liebe soll nicht mehr Liebe heißen, sondern "vage Zuversicht". Damit entspricht endlich das Vokabular der Tatsache. Ein Update des Sprachduktus ist ebenfalls vonnöten.

"Wölfchen", könnte Claire sagen, "Wölfchen, ich hege da eine noch nicht vollständig durchdachte, vage Zuversicht, die sich aber durchaus später als Luftipuff entlarven kann. Dann werde ich häufig weinen, aber in meiner jetzigen Verfassung möchte ich dies unter Vorbehalt in Kauf nehmen".
Und was würde Wölfchen dazu sagen? Wölfchen würde natürlich sagen: "Claire".

Fragen gehören nicht mehr mit "ja" und "nein" beantwortet, sondern mit "eher ja" und "Tendenz zu nein". So richtig weiß ja eh niemand was. Willkommen sind auch körperliche Äußerungen. Sanfte Berührungen an der Schulter, ein fast zufällig wirkendes Zwinkern zum richtigen Zeitpunkt.
All das Falschmachen, all die Hollywoodfarce wird so aus romantischen Beziehungen einfach und effizient herausgekürzt.
Man einigt sich auf eine "eher monogame Beziehung", auf "eher Thai als Italienisch heute Abend" auf "eher langfristig als kurzfristig". Dieses all inclusive Paket (eine Zusammenarbeit mit Rosetta Stone ist geplant) ist eine Prophylaxe gegen künftige Enttäuschungen, auch radiert es sämtliche Romantik aus der Liebelei, denn Romantik macht ja bekanntlich auf lange Sicht dumm und suizidal und aus leichten Mädchen dicke Mütter. Die moderne Beziehung wird generalüberholt.
Es wird mehr geseufzt und weniger versprochen, denn im Prinzip unterliegt ja beides einer vorausgegangenen Unzufriedenheit. Seufzt man aber nur, muss man später nicht Schmuck kaufen oder IKEA Möbel mit blöden Namen für den Partner zusammenschrauben. Endet die Liebschaft, werden auch die Trennungsgespräche der Realität angepasst:

"Wölfchen, ich bin ganz außer mir. Ich werde jetzt aus der Wohnung stürmen und hoffen, dass du mich spätestens, wenn ich die Türklinke berühre zurückrufst. Tust du das nicht, werde ich noch sehr entschieden mit zusammengezogenen Augenbrauen im Flur warten, um dann recht aufgebracht zuhause grünen Tee zuzubereiten, den ich in sehr hektischen Schlücken trinken werde. Willst du das wirklich?"
"Claire-"
"Hernach können wir uns aufgebrachte Kurznachrichten schicken. Aber ich warne dich: Ich habe Emojis. Und ich werde sie nutzen."
"Aber Claire, doch nicht etwa den wütenden, gelben Kopf."
"Doch, Wölfchen. Vielleicht lasse ich mich sogar einmal zum wütenden, roten Kopf hinreißen"
"Ach Clairchen, das möchte ich nicht. Lass uns lieber einander sanft am Arm berühren".

So wird die optimierte Beziehung aussehen. Emojis und ihre Urväter, die Emotionen (fragt eure Großeltern) sind ein Relikt der alten Zeit. Ich habe die Zukunft gesehen. Und sie wird sein.

Freuen sich über ihr optimiertes Liebesleben: Junge Menschen